|
Tacitus Publius Cornelius
Lebensdaten
Geboren 54 nuZ in Gallia Narbonensis oder Gallia Cisalpina
geboren. Er dürfte aus einer ritterlich-senatorischen Familie stammen und
auch eine entsprechende Ausbildung erhalten haben. Sein Vater war vermutlich
kaiserlicher Procurator (Finanzverwalter) in der Provinz Belgica. Tacitus
schlägt die politische Laufbahn ein.
77 heiratet er die Tochter des Konsuls Cn.Iulius Agricola
80 Quästor,
82 Volkstribun
83 Ädil
88 Prätor
89 verläßt er Rom in staatlichem Auftrag für 4 Jahre, vermutlich
hatte auch er ein Amt in der Provinz Belgica inne.
97 bekleidet er das Konsulat. In diesem Jahr hält er auch die Leichenrede
(laudatio funebris) für den berühmten Staatsmann L.Verginius Rufus.
100 führt er gemeinsam mit Plinius Minor vor dem Repetundengericht die
Anklage gegen den ehemaligen Statthalter der Provinz Africa.
111 verwaltet er als Proconsul die Provinz Asia.
120 ist Tacitus vermutlich gestorben.
Werke
Dialogus de oratoribus
Es handelt sich hier um ein fingiertes Gespräch, in dem die Frage nach
dem Grund für den Rückgang der Rhetorik behandelt wird. Die Frage
wird dahingehend beantwortet, dass die freie Rede und somit die Redekunst mit
dem Ende der Republik untergehen mussten. Im Stil zeigt sich eine deutliche
Anlehnung an Cicero.
De vita et moribus Iulii Agricolae
Tacitus Schwiegervater Iulius Agricola hatte unter Kaiser Domitian
das nördliche
Britannien unter römische Herrschaft gebracht, war aber vom misstrauischen
Kaiser immer nur mit Missgunst betrachtet worden. Im "Agricola" schreibt
Tacitus die Biographie eines "echten Römers" vor dem Hintergrund
einer verfallenen Zeit. Neben seinem biographischen und historischen Inhalt
bietet der "Agricola" auch eine geographische und ethnographische
Beschreibung Britanniens.
De origine et situ Germanorum (kurz "Germania")
In diesem Werk beschreibt Tacitus die Sitten der Germanen, bei
denen er viele Wesenszüge wiederfindet, die einst Rom groß gemacht haben, nun aber
untergegangen sind (libertas, virtus, religio, simplicitas,
). So kommt
es wiederholt zu Gegenüberstellungen der zeitgenössischen römischen
Welt mit den noch unverdorbenen Germanen, Das Werk ist besonders wichtig für
die germanische Altertumskunde (vgl. auch die Schilderung der Germanen in Caesars "Bellum
Gallicum").
Historiae und Annales
Das sind die beiden großen Geschichtswerke des Tacitus. Die "Historien" schildern
die Regierungszeit der flavischen Kauser Vespasian, Titus und Domitian, also
die von Tacitus selbst erlebte Zeit. Die später verfassten "Annalen" beschreiben
die Ereignisse vom Tod des Augustus bis zur Regierungszeit Neros. Beide Werke
sind nur teilweise erhalten. Doch die "Annalen" und die "Historien" bringen
nicht bloß eine Aufzählung historischer Ereignisse, vielmehr versucht
Tacitus, diese Ereignisse zu deuten und ihre Zusammenhänge zu erkennen.
Ein Kernproblem ist die Beurteilung des Prinzipats, die sehr pessimistisch
ausfällt (wohl wegen der negativen Erfahrungen mit Kaiser Domitian). Dennoch
bemüht sich Tacitus um Objektivität ("sine ira et studio").
Das bedeutendste Vorbild für Tacitus Geschichtsschreibung
ist Sallust und zwar nicht in de psychologischen Charakterisierung,
sondern auch in der
kunstvollen Darstellung mit dramatischen Elementen und in manchen stilistischen
Eigenheiten.
|