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Meister Eckehart Zum zehnten, wenn es heißt: "Ich dachte neulich, ob ich von Gott etwas nehmen oder begehren wollte" etc., so habe ich ein solches Wort vor langer Zeit einmal gebraucht, aber es ist schlecht verstanden worden. Ich wollte nämlich nicht etwa behaupten, daß man zu Gott nicht beten solle, sondern ich sagte es, um Gottes Güte zu preisen, die an der Türe steht und klopft, wie es in der Geh. Offenb., 3. Kap., heißt. Auch wollte ich sagen, daß Gott bereiter ist zu geben aus seiner freigebigen Fülle, als der Mensch zu empfangen. Is. 30: 'Gott wartet eurer, daß er sich euer erbarme', und ähnlich. Zum elften, wenn es heißt: "Der Mensch, der in Gottes Liebe steht" der muß sich selbst tot sein etc., so enthält dieser Satz zweierlei: Das erste, daß der vollkommene Mensch der Welt und den Geschöpfen abgestorben sein muß; desgleichen, daß der vollkommene Mensch seinen Nächsten so sehr lieben solle wie sich selbst. - Das ist beides wahr, in Übereinstimmung mit der Schrift, wo bei Matth. und Luk. 'so sehr wie dich selbst', bei Marcus 'gleichwie dich selbst' steht - ein Wort, das Augustinus sich oft zu eigen macht. Das 'Gleichwie' bedeutet 'ebenso sehr wie' - und das gehört freilich zur Vollkommenheit. Denn die Gnade ist erhabener als die Natur und gehört einer höheren Ordnung an. [6]. Und wer Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit ganzem Gemüte und aus allen seinen Kräften liebt, der hat gewiß außer Gott nichts, was er im Verhältnis zu einem anderen mehr oder weniger liebte. Wer nämlich das eine mehr liebt als das andere, der liebt in den Geschöpfen das Geschöpf und liebt nicht das Eine: Gott in allem und alles in Gott. Im Einen gibt es kein Mehr oder Weniger. Das ist es auch, was der Herr ausdrücklich (bei Matth.) sagt: 'Wer mehr liebt', 'ist meiner nicht wert.' Denn Gott ist der Eine, 'in dem es keine Zahl', also kein Mehr und Weniger gibt. Was im zwölften Satz über Paulus angeführt wird, ist durchaus wahr: Paulus ließ Gott um Gottes willen, da er zwar sich sehnte, 'aufgelöst und bei Christus zu sein', aber um der Brüder willen, die er in Christo liebte, und um Gottes willen noch länger zu leben verlangte. Um Gottes willen lassen ist Sache der Vollkommenheit - und Paulus ließ fürwahr um Gottes willen, was er von Gott nehmen konnte und was Gott ihm geben konnte: sonst hätte er ja die Gabe Gottes mehr geliebt als Gott selbst. Und das 'propter' um ... willen - wenn ich sage 'Gott um Gottes willen' - bezeichnet das Ziel, die Zweckursache, die stets die höchste und erste aller Ursachen ist. Zum dreizehnten, wenn es heißt,: "Es ist in der Seele gleichsam eine Burg" etc., so habe ich zu bemerken: Es ist in dieser Predigt viel Dunkles und Zweifelhaftes, was ich niemals gesagt habe. Wahr jedoch ist, wie es dort heißt, daß Gott als Wahrheit erfaßt wird vom Verstand und als Gutheit vom Willen - also von Kräften der Seele unter der Rücksicht des Seins aber teilt er sich dem Wesen der Seele mit. Und es dient dies zur Lehre, daß der Mensch Gott lieben und nach ihm allein ohne alle Verhüllung trachten soll, in keuscher und reiner Liebe nach dem Wort Gottes Gen.15: 'Ich' 'bin dein übergroßer Lohn' . Zum vierzehnten, wenn es heißt: "Wie mein Leib mit meiner Seele vereinigt ist im Sein" etc., so ist das wahr und ein Wort Christi bei Joh., das uns darüber belehrt, daß wir, wenn aller Liebe zu den Geschöpfen ledig geworden, mit Gott geeint werden, wie nach dem angeführten Beispiel die Speise der Form des Brotes oder Fisches ledig werden muß, um mit dem Speisenden eins zu werden. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken, daß man Beispiele zu gebrauchen pflegt, 'damit der Lernende Verständnis gewinne', wie der Philosoph sagt. Wenn aber in dem gleichen Satz gesagt wird: "Ähnlich-sein ist übel und täuschend", so ist es dasselbe, was Augustinus (II 1. Soliloquiorum) ausspricht: 'Die Ähnlichkeit der Dinge ist die Mutter der Unwahrheit'. So trügt und täuscht z. B. reines Erz oder Bronze, daß es für Gold gehalten wird, weil es dem Golde ähnlich ist. Und Seneca sagt (Prologo Declamationum): 'Niemals wird der Nachahmer dem Vorbild ebenbürtig. Dies ist in der Natur der Sache gelegen: immer bleibt die Ähnlichkeit hinter der Wahrheit zurück'. Desgleichen Cicero (De natura deorum 1. I): 'Keine Kunst vermag es dem Erfindungsgeist der Natur gleichzutun'. Zum fünfzehnten, wenn es heißt: "Alle Kreaturen sind ein bloßes Nichts" etc., so ist zu sagen, daß dies eine reine, fromme und nützliche Wahrheit ist, wohl tauglich zur sittlichen Unterweisung, um zur Verachtung der Welt, zur Liebe Gottes und Gottes allein zu führen. Das Gegenteil zu meinen ist ein Irrtum des unerfahrenen Menschen und ohne Zweifel eine gefährliche Häresie, wenn sie blindlings verteidigt wird. Darum heißt es bei Joh. 1: 'Alles durch ihn Gemachte ist , und ohne ihn ist nichts Gewordenes ist das Gewordene ein Nichts'. Dies und nichts anderes will dieser fünfzehnte Satz besagen. Zum sechzehnten, wenn es heißt: "Wie es auch sei, daß dir ein anderes besser schiene oder besser wäre" etc., so ist zu sagen, daß dies durchaus wahr ist. Wenn der Mensch sich selbst gänzlich verleugnet und sich dem göttlichen Willen völlig gleichförmig macht, indem er einzig das will und liebt, daß in ihm selbst und in allem andern Gottes Ehre und Wille erfüllt werde bei allem, was Gott geben mag oder nicht geben mag - so wird alles und jedes eben deshalb, weil Gott es so und so will, von einem wahren Gottesfreund als das beste aufgenommen und ist dann auch wirklich das beste. Das beste ist: wollen, was Gott will. Denn eben dadurch, daß Gottes Wille etwas will, macht er es gut. Hierher gehört das Wort Matth. 6: 'Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.' Die Sätze, die dem Trostbuch entnommen wurden: Folgendes sind die Sätze, die aus dem in deutscher Sprache geschriebenen Büchlein entnommen wurden, das Meister Eckehart an die Königin von Ungarn sandte und das folgendermaßen anheb:Benedictus Deus - 'Gepriesen sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus': Erstens. "Der Weise und die Weisheit, wahr und die Wahrheit, gerecht und die Gerechtigkeit, gut und die Güte entsprechen sich gegenseitig und hängen derart miteinander zusammen, daß die Güte weder geschaffen, noch gemacht, noch gezeugt sondern nur zeugend ist, und zwar den Guten zeugt, sofern er gut ist." Zweitens. "Der Gute, sofern er gut ist, ist ungemacht und ungeschaffen, und doch ist er gezeugt, Kind und Sohn der Güte." Drittens. "Die Güte zeugt sich und alles, was ihr eigen ist Sein, Erkennen, Lieben und Wirken aus dem Herzen und von dem Innigsten der Güte und aus ihr allein." Viertens. "Güte und Gut sind nur eine Güte allein durchaus in allem, außer daß jenes zeugt und dieses gezeugt wird. Desungeachtet ist doch Zeugen in der Güte und Gezeugtwerden im Guten ein und dasselbe: ein Sein und Leben. Alles, was des Guten ist, das empfangt er von der Güte, und da ist und lebt und wohnt er, und da erkennt er sich selbst und alles, was er erkennt, und da liebt er, was immer er liebt, und wirkt mit der Güte und in der Güte alle seine Werke, und eben diese Güte mit ihm und in ihm, wie geschrieben steht und der Sohn sagt: 'Der Vater, der in mir bleibt, er tut die Werke', und 'Der Vater wirkt bis zur Stunde, und auch ich wirke', und alles, was des Vaters ist, das ist mein, und alles, was mein ist, das ist des Vaters, nämlich sein durch Geben und mein durch Empfangen." "Auch soll man wissen, daß, wenn wir etwas 'gut' nennen, der Name oder das Wort Güte nichts anderes, weder mehr noch weniger in sich faßt und beschließt als die bloße und lautere Güte. Doch gibt er es , wenn wir etwas 'gut' nennen und wir sind uns dessen bewußt, daß seine Güte ihm gegeben, eingeflossen und eingeboren ist von der ungezeugten Güte. Darum heißt es im Evangelium: 'Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, also hat er dem Sohne gegeben, daß er dasselbe Leben auch in sich selbst habe'. Es heißt 'in sich selbst', nicht 'aus sich selbst', denn der Vater hat es ihm gegeben." Der Schluß lautet: "Alles, was ich nun gesagt habe vom Guten und von der Güte, das gilt auch ebenso von dem Wahren und von der Wahrheit, von dem Gerechten und von der Gerechtigkeit, von dem Weisen und von der Weisheit, von Gottes Sohn und von Gott dem Vater, von allem, was aus Gott geboren ist und was keinen Vater auf Erden hat, in dem sich auch nichts zeugt, was geschaffen und was nicht Gott selber ist und in dem auch keinerlei Bild ist als Gott, bloß und lauter allein. Denn so spricht auch Johannes in seinem Evangelium:" 'Die nicht aus dem Blute'" etc. "Unter dem Willen des Mannes meint Johannes die höchsten Kräfte der Seele, der Natur. Die haben nichts mit etwas gemein und sie stehen in Lauterkeit abgeschieden von Zeit und Raum und von allem, was zeitlich und räumlich eine solche Beziehung oder einen Geschmack danach aufweist, die mit nichts etwas gemein haben, durch die der Mensch nach Gott gebildet und durch die er von Gottes Geschlecht und Art ist. Und dennoch, weil sie nicht selber Gott sind, weil sie in der Seele und mit der Seele geschaffen sind, müssen sie ihrer selbst entbildet und in Gott allein überbildet, in Gott und aus Gott geboren werden, auf daß Gott allein Vater sei; denn also sind sie auch Söhne und Gottes eingeborener Sohn. Denn alles dessen bin ich Sohn, das mich nach sich und in sich gestaltet und zeugt." An dieser Stelle ein Einschub. Gegenüberstellung von fünf Texten: 1. Eckhart im edierten 'Original': "Ein sôgetân mensche, gotes sun, guot der güete sun, gereht sun der gerehticheit, alsô verre er aleine ir sun ist, sô ist si ungeborn-gebernde, und ir geborn sun hât daz selbe eine wesen, daz diu gerehticheit hât und ist, und tritet in alle die eigenschaft der gerehticheit und der wârheit." (Acta Echardiana, Processus .. S. 202) 2. Die Übersetzung der Ersteller der ersten Liste (1326): "Talis homo, filius dei, bonus et bonitatis filius, iustus et iustitiae filius, pro quanto ipse est ipsius solius filius, ipsa ingenita generans et genitus filius habet hoc ipsum unum esse quod iustitia ipsa et est et intrat in omnem propietatem iustitiae." 3. Die Übersetzung von Karrer (1927): "Ein solcher Mensch ist dann Gottes Sohn, gut und der Güte Sohn, gerecht und Sohn der Gerechtigkeit. Sofern er nur Sohn von ihr allein ist, hat sie, nämlich die ungezeugt-zeugende (Güte, Wahrheit, Gerechtigkeit usf.) und er, der gezeugte Sohn, dasselbe eine Sein, das die Gerechtigkeit hat und ist, und er tritt in alle Eigenschaft der Gerechtigkeit [und Wahrheit]." 4. Die Übersetzung von Quint (1963): "(Soweit) ein solcher Mensch, Gottes Sohn, gut als Sohn der Gutheit, gerecht als Sohn der Gerechtigkeit einzig ihr (d.h. der Gerechtigkeit) Sohn ist, ist sie ungeboren-gebärend, und ihr eingeborener Sohn hat dasselbe eine Sein, das die Gerechtigkeit hat und ist, und er tritt in den Besitz alles dessen, was der Gerechtigkeit und der Wahrheit eigen ist." Fünftens: "Der Mensch soll beflissen sein, daß er sich entbilde und entblöße seiner selbst und aller Kreatur und keinen Vater kenne denn Gott allein. Dann kann ihn nichts verdrießen noch betrüben, weder Gott noch Kreatur, weder Geschaffenes noch Ungeschaffenes, und all sein Sein, Leben, Erkennen, ist aus Gott und in Gott und Gott." Sechstens. "Mein Herz und meine Liebe gibt dem Geschöpf die Güte, was Gottes Eigenschaft ist." Siebtens. "Ein solcher Mensch ist so eins und einwillig mit Gott, daß er alles das will, was Gott will, und in der Weise, wie Gott es will. Und darum, da Gott doch irgendwie will, daß ich auch Sünde getan habe, so wollte ich nicht, daß ich sie nicht getan hätte. Denn so geschieht Gottes Wille 'auf Erden', d. i. in Missetat, 'wie im Himmel', das ist im Rechttun, und so will der Mensch Gott um Gottes willen entbehren und um Gottes willen von Gott geschieden sein; und das ist allein rechte Reue meiner Sünde; so ist mir Sünde leid ohne Leid, und so hat auch Gott Leid um alle Bosheit ohne Leid. Leid und mein meistes Leid habe ich um Sünde, da ich nicht Sünde täte um alles, was geschaffen ist, doch ohne Leid." Achtens. "Der gute Mensch, sofern er gut ist, tritt in alle Eigenschaft der Güte selbst, die Gott in sich selber ist." Neuntens. "Vielleicht nimmt man Gott eigentlich mehr durch Entbehren als durch Empfangen. Denn wenn der Mensch empfängt, so hat die Gabe etwas in sich selbst, weshalb der Mensch froh und getröstet ist. So man aber nicht empfängt, so hat man nichts, und so hofft und weiß man nichts, des man sich freue als Gott und Gottes Willen allein." Zehntens. "Unser Herr bat seinen Vater, daß wir eins seien, durch Einheit eins und nicht allein vereint. Dieser Rede und dieser Wahrheit haben wir ein offenkundiges Beispiel und Erweis in der Natur äußerlich sichtbar: Wenn das Feuer wirkt und angezündet ist und das Holz ergreift, so macht das Feuer das Holz fein und sich selbst unähnlich: es benimmt ihm Grobheit, Kälte, Schwere und Feuchtigkeit des Wassers und macht das Holz sich selbst, nämlich dem Feuer, ähnlich, mehr und mehr. Doch ruhen beide nicht und begnügen sich nicht und geben sich nicht zufrieden, weder Feuer noch Holz, mit keiner Wärme und Ähnlichkeit, bis daß das Feuer sich selbst im Holze erzeugt und ihm seine eigene Natur gibt und auch sein eigenes Sein, so daß das Ganze ein gleiches Feuer ist, ungeschieden, weder mehr noch weniger." Und kurz danach folgt: "Und ich sage euch in der Wahrheit, daß die verborgene Kraft der Natur heimlich die Ähnlichkeit haßt, sofern sie Unterschied und Zweiung bedingt" Und gleich darauf: "Und darum habe ich gesprochen, daß die Seele die Ähnlichkeit als solche haßt, aber sie liebt sie wegen des Einen, das in ihr verborgen ist und das ein wahrer Vater ist, ein Beginn ohne allen Beginn aller Dinge im Himmel und auf Erden" Und hierfür wird das Wort des Evangeliums angeführt: Herr zeige uns den Vater, so genügt es uns! "Philippus, wer mich sieht" der sieht den Vater etc. Elftens. "Kein Zweifel, daß auch die natürliche menschliche Tugend so edel und kräftig ist, daß ihr kein äußeres Werk zu schwer ist, noch groß genug, daß sie sich darin wie in einem Bilde darstellen könnte. Und darum ist ein anderes, mehr inneres Werk, das weder Zeit noch Ort umschließen oder fassen kann; und in diesem Werk ist etwas, was göttlich und Gott ähnlich ist, den auch weder Zeit noch Ort in sich begreift; denn er ist allenthalben und alle Zeit gleich gegenwärtig. Und auch darin gleicht es Gott, daß ihn keine Kreatur vollkommen empfangen könnte, noch Gottes Güte in sich bilden; und darum muß etwas Innigeres und Höheres sein, ungeschaffen ohne Maß und Weise, daß sich der himmlische Vater ganz darin einbilden und ergießen und darstellen könne: das ist der Sohn und der heilige Geist. Auch kann niemand das innere Werk der Tugend hindern, so wenig als man Gott hindern kann. Dies Werk scheint und leuchtet Tag und Nacht; dies Werk singt Gottes Lob und singt einen neuen Gesang." Im Folgenden wird gesagt: "Dies Werk ist Gott lieben". Zwölftens. "Der gute Mensch will und wollte allezeit leiden um Gottes willen, und nicht nur gelitten haben. Leidend hat er, was er liebt: er liebt Leiden um Gottes willen, und er leidet um Gottes willen; und darum ist er Gottes Sohn, nach Gott und in Gott transformiert. Er liebt um seiner selbst willen, das heißt, er liebt um der Liebe und wirkt um des Wirkens willen. Und darum liebet Gott und wirkt ohne Unterlaß. Und für Gott wirken ist seine Natur, sein Wesen, sein Leben, sein Heil oder seine Seligkeit. Also wahrlich ist es dem Sohne Gottes, einem guten Menschen, soviel oder soweit er Gottes Sohn ist, sein Wesen, sein Leben, sein Heil oder seine Seligkeit, um Gottes willen zu leiden, um Gottes willen zu wirken. Denn, wie unser Herr spricht: 'Selig sind, die da leiden um der Gerechtigkeit willen'" etc Dreizehntens. "Ein guter Mensch, sofern er gut ist, hat Gottes Eigenschaft nicht allein, sofern er alles, was er liebt und wirkt, um Gottes willen liebt und wirkt, den er liebt und für den er wirkt, sondern er liebt und wirkt auch um seiner selbst willen, der da liebt. Denn was er liebt, das ist Gott Vater ungeboren, und der da liebt, ist Gott Sohn, geboren. Nun ist der Vater in dem Sohne und der Sohn in dem Vater. Vater und Sohn sind eins." Vierzehntens. Keine redliche Seele ist ohne Gott; der Same Gottes ist in uns. Hätte sie einen guten und weisen und fleißigen Werkmann, so nähme sie desto besser zu und wüchse auf in Ähnlichkeit Gottes, des Same sie auch ist, und würde die Frucht ähnlich: eine Natur Gottes. Birnbaumes Same wachset zu Birnbaum, Nußbaums Same zu Nußbaum, Same Gottes zu Gott" Fünfzehntens. "Aller Unterschied ist Gott fremd." Unterschied ist weder in der Natur Gottes noch in den Personen" . Beweis: "Die göttliche Natur ist eine und diese ist eins, und jede Person ist eine und ist dasselbe eine, was die Natur ist, eine jede göttliche Person und alle drei Personen zusammen sind dasselbe eine" Die Sätze, die einer Erwiederung auf die Sätze, die dem "Trostbuch" entstammen, entnommen wurden: Dies sind die Sätze, die einer Erwiderung Meister Eckeharts auf die Sätze entnommen sind, die man in seinem Buch beanstandet hatte, das anhebt: (Benedictus Deus) 'Gepriesen sei Gott und der Vater', ein Buch, das er selbst geschrieben hat. Erster Satz. Wer aus Einfalt glaubte, sagte oder schriebe, es gebe etwas Ungeschaffenes in der Seele als deren Teil, der wäre darum noch kein Häretiker und würde auch nicht verdammt. Und er fügt an, der Sentenzenmeister sei in dem Glauben befangen gestorben - nachdem er ihn mündlich und schriftlich vertreten habe - daß es nicht eine geschaffene Zuständlichkeit der Liebe in der Seele gebe, sondern daß diese vom ungeschaffenen heiligen Geiste allein bewegt werde. Zweitens. Materie und Akcidens verleihen dem Zusammengesetzten kein Sein, sondern das ganze Zusammengesetzte erhält sein Sein allein von der Wesensform. Drittens. Der Gute, sofern er gut ist, empfängt sein ganzes Sein von der ungeschaffenen Güte. Und dieses 'sofern er gut ist' bezeichnet einzig die Güte, die Gott selbst ist, sowie das Weiße die bloße Weiße Der vierte das wahrste und beste Gebet das ist, wodurch der Gute die Güte, der Gerechte die Gerechtigkeit, der Wahre die Wahrheit verehrt. 'Die wahren Anbeter beten den Vater im Geiste und in der Wahrheit an.' Denn 'Gott ist Geist' und ist 'die Wahrheit'. Hinsichtlich der äußeren Kniebeugung, Verneigung des Kopfes und ähnlicher Übungen, die äußerlich seien und auf die Einbildungskraft des ungebildeten Volkes Eindruck machten, wird die Bemerkung eingestreut: 'Ihr betet an, was ihr nicht kennt'. Fünftens. Aequivoca werden auf Grund der verschiedenen Dinge unterschieden; Univoca auf Grund der verschiedenen Eigenschaften der Dinge; Analoga werden weder durch das eine noch durch das andere unterschieden, sondern nur nach den verschiedenen Weisen der numerisch selben Sache. Als Beispiel dafür führt er an: Es ist eine und dieselbe animalische Gesundheit, von der aus etwa der Urin, die Lebensweise usf. analogerweise als gesund bezeichnet werden. In Urin selbst ist nicht mehr Gesundheit als in einem Stein; er heißt gesund deshalb, weil er durch irgend eine seiner Eigenschaften ein Zeichen jener Gesundheit enthält, in dem Lebewesen ist. Und danach fährt er fort: ganz ebenso stehe im vorliegenden Fall auch das Gute und das Sein in Gott einerseits und im Geschöpf anderseits im Verhältnis der Analogie zu einander, denn durch eine und dieselbe Güte, die in Gott ist und die Gott selbst ist; durch die sind alle Guten gut. Der sechste die elementaren Eigenschaften ihr Sein univoce d. i. eindeutigvom Subjekt, durch das Subjekt und in dem Subjekt erhalten. Beim Analogieverhältnis hingegen, also im Fall der Gerechtigkeit, Wahrheit usf., ist es nicht so, sondern umgekehrt: Denn sie empfangen ihr Sein nicht vom Subjekt, sondern vielmehr das Subjekt empfängt von ihnen, durch sie und in ihnen das Gerechtsein, Wahrsein, Gutsein und alles derartige, das früher ist als seine Träger und noch bleibt, wenn diese schon zugrunde gegangen sind, wie Augustinus De Trinitate 1. VIII c. 3 schön ausführt. Die Sätze, die der Auslegung des Buches Genesis
entnommen wurden:
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