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Meister Eckehart ~ 1260 - 1328
Lebensdaten
Seite 2

Autor: Eckehart Triebel (gekürzte Fassung)

Geboren vor 1260 Tambach/Thüringen
Eckharts Geburt wird auf Beginn der 60er Jahre des 13. Jahrhunderts datiert. Er ist in Thambach bei Hochheim in Thüringen geboren.
1293, zwischen 14. September und 9. Oktober, Paris
Eckhart hält als Baccalaureus der Theologie zum Beginn des akademischen Jahres 1293/94 die 'Collatio in libros Sententiarum'.
1294 18. April, Paris
Eckhart hält anläßlich des Osterfestes eine Predigt mit dem Thema: Pascha nostrum.
zwischen 1294 und 1298
Eckhart amtiert als Prior von Erfurt und Vikar von Thüringen. Er verfaßt die 'Reden der Unterscheidung'.
Überschrift der 'Reden': Daz sint die rede, die der vicarius von türingen, der prior von erfurt, bruoder eckhart predigerordens mit solchen kindern hâte, diu in dirre rede vrâgeten vil dinges, dô sie sâzen in collationibus mit einander.
1302, Paris
Eckhart promoviert zum Magister der Theologie an der Pariser Universität.

1302 28. August oder 28. Februar 28, Paris.
Meister Eckhart hält am Fest des Hl. Augustinus eine Predigt mit dem Thema: Vas auri solidum.   1302/1303, Paris
Meister Eckhart trägt als Magister Quaestiones an der Universität Paris vor.
zu 1303 September, Erfurt
Meister Eckhart wird in Erfurt zum ersten Provinzial der neugegründeten Provinz Saxonia gewählt.
Da der Ordensgeneral Bernhard von Jusix starb, bevor er die Wahl Eckharts bestätigen konnte, wurde Eckhart durch die drei ältesten Mitglieder des Wahlkapitels in sein Amt eingesetzt und erst am 18. Mai 1304 durch den neuen General Aymerich von Piacenza bestätigt.
1304 16.-18. Mai, Toulouse
Meister Eckhart nimmt am Vorabend von Pfingsten an der Wahl des Aymerich von Piacenza zum Ordensgeneral teil und wird von diesem als Provinzial der Provinz Saxonia am Pfingstmontag bestätigt.
1305 19. Mai, Gotha
Äbtissin und Konvent der Zisterzienserinnen zum Hl. Kreuz in Gotha tun kund, daß der verstorbene Herr Eckhart, Ritter, genannt von Hochheim, dem Kloster eine Hufe Land im Buflebener Felde mit der Bestimmung vermacht hat, für ihn und seine Frau jährlich je ein Jahrzeitgedächtnis zu halten, und legen die Tage für die Messen fest. Meister Eckhart, Provinzial der Dominikaner, bestätigt und beglaubigt die Urkunde mit seinem Siegel.
1307 14. Mai, Straßburg
Generalkapitelsprotokoll: Bruder Eckhart, Provinzial der Saxonia, wird zum Generalvikar des Ordensmeisters Aymerich von Piacenza für die böhmische Provinz ernannt.
1310 8. September, Speyer
Meister Eckhart wird in Abwesenheit auf dem Provinzialkapitel der Teutonia in Speyer nach der Erhebung des Johannes von Lichtenberg auf den Bischofsstuhl von Regensburg zum Provinzial gewählt. Die Wahl wird vom Ordensgeneral Aymerich von Piacenza nicht bestätigt, so daß im gleichen Jahr eine Neuwahl in Zürich stattfindet.
Also will ich hie beschreiben die namen unser lieben vetter der provincialen ...
A. D. MCCCVIII Br. Johannes von Liechttenberg, ein hoher meister gotlicher kunst, und do er ein jar was gewesen an dem Ampt, do ward er byschoff ze Regenspurg, do vormals der grooss Albertus byschoff gewesen war.
A. D. MCCCX do ward erwelt in einen provincial der andechtig vater Meister Eckard, aber er ward nit bestittiget, und darumb must man desselben jars ein ander welung tun, und die geschah ze Zurich in dem convente und ward erwelt Br. Heinrich von Gruningen und waz by V jaren an dem ampt ...
1311 30. Mai, Neapel
Generalkapitelsprotokoll. Das Kapitel der Dominikaner absolviert den Provinzial der Saxonia, Meister Eckhart, und schickt ihn als Professor nach Paris. Der Soester Prior Johannes de Busco wird zum Generalvikar ernannt.
1311/1313, Paris
Zweites Pariser Magisterium Eckharts. Er trägt Quaestiones an der Universität vor.
Anselm von Como führt in seiner Quaestio Über die Mischung der Elemente einen Beweisgrund an, den er anläßlich einer Disputation aus dem Mund Meister Eckharts hörte.
1322 10. Dezember, Avignon
Der Ordensgeneral Herveus bestätigt in einem an die Priorin und an den Konvent Unterlinden bei Kolmar gerichteten Schreiben die disziplinären Anordnungen, die die von ihm nach der Abhaltung des Generalkapitels von Wien (Pfingsten 1322) ernannten Vikare Meister Eckhart und Matthäus von Finstingen erlassen haben. 1315-1325 Ötenbach
Meister Eckhart besucht das Kloster Ötenbach und begegnet Elisabeth von Beggenhofen.
"Wie got so heimlich verporgene leiden auf si leit vnd ir aber so grossen trost gab in dem heiligen sacrament, so si das enpfieng.
Si het sich etwen mit der seligen andechtigen swester Elsbeth von oye vnd andern heiligen swestern erpotten in etwas kestigung des leibes, als si jnen selber auffleitten durch got vnd so si dar jnen gottes willen suchte. So gab er ir ze erkennen, das er es nit wölte von ir. aber die peinigung, die er auff si leit, die was als vnmessiklichen peinlichen, das si etliches nit geworten kond, joch die ir peichtiger warent vnd ander prediger vnd von andern ördenen weiss pfaffen, mit denen si da von reti, wann in allen dem, das got mit ir würcket, do nam si gelerter leutten ratt, wie si sich dar jnen sölt halten. do dauchte si, das es also verporgenlichen vnd so wunderlichen were, das si ir me wort dar auff antwurtent. Denn ze einem mal klagte si es meister eckhart. der sprach: do gehört kein zeitlich weisheit zu, es ist ein lautter gottes werck; do hilffet nichtz für, denn das man sich jn einer freyen gelasenheit gottes treuen befelhe. vnd des enpfand si, das dem alto was. vnd wenn si in söllichen leiden got zeigte, das si von ir felber nit was vnd si sich genczlichen seinem willen ergab, so macht er jr pein ein ende, oder er trug es aber mit einer als gütlichen krafft in ir, das es nit mer kond ein leiden gesein."
1324-1326 Köln
Meister Eckhart predigt im Zisterzienserinnenkloster von St. Mariengarten und im Benediktinerinnenkloster St. Machabaeorum.
zwischen 1325 1. August und 1326 Januar, Köln
Meister Eckhart werden etliche Sätze aus dem 'Liber benedictus' als verdächtig vorgeworfen. Er verfaßt eine schriftliche Erwiderung, deren Anfang lautet: Requisitus.
zwischen 1.8.1325 und 26.9.1326 , Köln
Hermann von Summo und Wilhelm von Nidecke legen dem Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg, eine Liste von Sätzen vor, die den Werken Meister Eckharts entnommen worden sind und eine Anklage wegen Häresie begründen sollen
vor 26.9.1326, Köln
Eine weitere, zweite Liste von Sätzen aus den Predigten Meister Eckharts wird dem Erzbischof vorgelegt.
26.9.1326, Köln
Meister Eckhart erscheint vor den erzbischöflichen Inquisitionskommissaren Reinher Friso und Petrus de Estate und gibt seine Verteidigung zu Protokoll.
nach 26.9.1326, Köln
Eine dritte Liste von Thesen aus Werken Meister Eckharts wird dem Erzbischof vorgelegt. Die Liste ist nicht erhalten.

14.1.1327, Köln
Nikolaus von Straßburg, päpstlicher Vikar für die Dominikanerprovinz Teutonia, vor das erzbischöfliche Inquisitionsgericht durch die Kommissare Reinher Friso und Albert von Mailand vorgeladen erhebt Einspruch gegen die Vorladung und appelliert an den Heiligen Stuhl.
24.1. 1327, Köln
Meister Eckhart erscheint vor den Inquisitionskommissaren Reinher Friso und Albert von Mailand im Domkapitelsaal und läßt seinen Sekretär Konrad von Halberstadt eine Appellation an den Heiligen Stuhl vorlesen
1327 Februar 13, Köln
In Anschluß an eine in der Dominikanerkirche gehaltene Predigt läßt Meister Eckhart seinen Sekretär, Konrad von Halberstadt, eine schriftliche Erklärung vorlesen, in der er die Glaubensirrtümer widerruft, die er eventuell geschrieben oder gepredigt hat. Er übersetzt die Erklärung auch in die Volkssprache.
22.2.1327, Köln
Die Inquisitionskommissare Reinher Friso und Albert von Mailand teilen Eckhart mit, daß sie seine Appellation als unbegründet ablehnen.
1327
Br. Gerhard von Podahns, Vikar des Generalprokurators des Dominikanerordens, richtet an den Papst Johannes XXII. eine Liste von 10 bzw. 11 Anklagepunkten gegen die Dominikaner Hermann von Summo und Wilhelm von Nideggen.
Original: Arch. Vaticano, A. A., arm. C. n. 1047;
"In dem Schreiben wird zunächst Hermann de Summo beschuldigt, er hätte:
  1. In einem Strafverfahren ein falsches Zeugnis geleistet. Er sei deswegen angeklagt und des Deliktes überführt worden, wie aus dem Urteil aller Diffinitoren, von denen einer der jetzige anwesende Provinzial und frühere Pönitentiar des Papstes gewesen wäre, hervorgehe.
  2. Auch bei mehreren nicht strafrechtlichen Verfahren habe er ein falsches Zeugnis abgegeben und sei vor demselben Kapitel angeklagt und überführt worden.
  3. Als er zum Visitator eines Konvents, sicher von seinem Freund, dem Provinzial Heinrich von Grüningen, bestellt worden sei, habe er zwei fratres, die nicht geständig noch überführt worden waren, ungerecht mit der Strafe für eine schwere Schuld belegt. Aufgrund dessen sei er der Irregularität verfallen, d. h. dem Verbot, seine Weihegewalt auszuüben, wovon nur der Papst absolvieren könne.
  4. Bei einer Visitation habe man festgestellt, daß er nach Kleidungswechsel mehrfach während der Nacht den Konvent verlassen habe. Auch das sei schriftlich festgehalten und durch drei Zeugen bewiesen.
  5. u. 6. Er habe eine Reihe von Schmähschriften (libelli famosi) angefertigt, in denen er ehrenhafte Brüder lügnerisch schwerer Verbrechen bezichtigt. Er habe sie vervielfältigt und verbreitet. Trotz Ermahnungen und eines Urteils habe er diese nicht seinen Oberen übergeben.
  7. Als er fürchtete, für jene und viele andere Vergehen durch den Vikar bestraft zu werden, sei er gegen den Befehl seines Priors zum Generalmagister des Ordens geflohen, um ersteren zu diffamieren. Das habe er auch bei der Kurie getan.
  8. Besonders werde ihm sein Vorgehen gegen Meister Eckhart im Prozeß, wie auch die Denunziation des Visitators Nikolaus von Straßburg vorgeworfen.
Ferner sind in dem Schreiben noch andere Vergehen gegen die Ordensdisziplin aufgezählt. Fast das ganze Provinzialkapitel hätte den Generalvikar gebeten, daß er ihn aus der Provinz ausschlösse, weil er infolge seiner Streitsucht nicht tragbar sei. Der Papst wird gebeten, ihn den Oberen zu überstellen, damit er bestraft werden könnte.
Die zweite Beschwerde richtet sich gegen Wilhelm von Nidecke. Auch ihm wird sein Vorgehen gegen Meister Eckhart vorgeworfen, das wir schon erwähnten, ferner sittenloses Verhalten und Vergehen gegen die Ordensdisziplin. Auch er breche überall einen Streit vom Zaune.
Beide Beschuldigten sollten, wenn sie in Avignon einträfen, in Arrest genommen werden.
zwischen Mitte 1327 und 30.4.1328, Avignon
Eine durch Papst Johannes XXII. eingesetzte Theologenkommission verhört Meister Eckhart in Avignon und setzt ein Gutachten (Votum Avenionense) über die Rechtgläubigkeit (bzw. Fragwürdigkeit) von 28 aus seinem Werk entnommenen Sätzen auf.
zwischen Mitte 1327 und 30.4.1328, Avignon
Kardinal Jacobus Novelli (Fournier) verfaßt ein Gutachten über Eckhart aufgrund der Prozeßakten.
Ende 1327 oder Anfang 1328
Eckehart stirbt (wahrscheinlich in Avignon). Todesursache und -zeitpunkt sind unbekannt.

Anhang:
30.4.1328, Avignon
Papst Johannes XXII. teilt dem Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg mit, daß der Prozeß gegen den verstorbenen Eckhart weitergeht und schnell zu Ende geführt wird.
18.9.1328 September
Der Ordensgeneral der Franziskaner, Michael von Cesena, weist in seiner "Appellatio maior" auf den Prozeß gegen Eckhart hin.
Hier wird Eckhart als manifester Häretiker, Nikolaus von Straßburg als sein fautor et defensor angeprangert. Man habe die Boten des Erzbischofs von Köln in Avignon nicht am Prozeß beteiligt, ja einen von ihnen sogar gefangengesetzt. Der Papst hätte Nikolaus nicht seines Amtes entbunden und den Verurteilten de facto dispensiert, so daß er zum Diffinitor auf dem Generalkapitel von Perpignan bestellt wurde.
27.3.1329, Avignon
Papst Johannes XXII. veröffentlicht die Bulle In agro dominico.
15.4.1329, Avignon
Papst Johannes XXII. befiehlt dem Kölner Erzbischof, die Bulle "In agro dominico" in seiner Erzdiözese zu veröffentlichen.
11.4.1331, Avignon
Papst Johannes XXII. befiehlt dem Kölner Erzbischof, die Akten des Prozesses gegen Nikolaus von Straßburg zu überprüfen und eventuell die Entscheidungen der Kommissare Reinher Friso und Albert von Mailand zu annullieren.
In diesem Schreiben erwähnt er, Nikolaus von Straßburg habe ihm berichtet, daß er früher, da er als Vikar des Ordens in der Provinz Teutonia, besonders vom Papst dazu beauftragt, tätig war, einen Ordensbruder wegen seiner Vergehen in Haft setzte und die erzbischöflichen Kommissare Raynerus und Albertus de Mediolano, die mit der Inquisition wegen Häresie gegen Eckhart beauftragt waren, gegen ihn, weil er dadurch ihre Inquisition behindert habe, einen Prozeß führten. Sie bezichtigten ihn dieses Delikts durch Urteil. In der Folge sei er wegen dieses Tatbestandes gefallen und könne und müsse auch deswegen mit anderen Strafen rechnen.
Nikolaus hat dieses Urteil für nicht gerechtfertigt gehalten. Deshalb verweist Johannes XXII. den Fall zur nochmaligen Behandlung an die erste Instanz zurück. Der Papst befiehlt dem Erzbischof, er solle das durchgeführte Verfahren sorgfältig überprüfen. Wenn er die Entscheidung der Kommissare als fehlerhaft befinde, solle er sie für ungültig erklären. Eine Appellation sei nicht erlaubt.
1332, Köln
Erzbischof Heinrich II. von Virneburg stirbt im Alter von 86 oder 88 Jahren.
Der Prozess gegen Eckehart wurde von Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg aus Geldhunger eingeleitet und von Papst mit Verurteilung abgesegnet. Er ist ein Paradebeispiel für die Art der Ketzerprozesse, die man Gelehrten machte. Heute kaum noch verständlich ist die lebensfremde, scholastisch- verwickelte bibelbezogene Argumentation der Rechtfertigungsschrift. Dies liegt nicht daran, daß Meister Eckehart ein Mystiker war: Es war die übliche Denkweise der Zeit. Besonders delikat mutet an, daß hier ein hoher Dominikaner (zeitweilig Vertreter des Ordensgenerals) verurteilt wird. Der Orden der Dominikaner stellte den überwiegenden Teil der Inquisitoren und war deswegen sehr gefürchtet.
Heinrich von Virneburg  * (Virneburg bei Mayen) 1244 oder 1246, 1332 war Politiker und Erzbischof von Köln. 1288 beteiligt er sich auf der Seite der Gegner Erzbischof Sifrids von Köln an der Schlacht von Worringen. Im gleichen Jahr erlangt er zwei Pfarreien, obwohl er die Priesterweihe nicht empfangen hat. Er bemühte sich nicht um Dispens. Mehr als sieben Jahre lang behielt er die Einkünfte aus den Pfarreien zu Unrecht. Erst 1295 wird er vom Papst Bonifaz VIII. auf Initiative des Königs Adolf von Nassau von aller ihm deswegen anhaftender Irregularität befreit. Mit dem König ist Heinrich verwandt und mit dessen Regierungsantritt (1292) beginnt auch seine steile Karriere. Er ist sein Kaplan, erhält etliche Kanonikate, die Dompropstei Kölns und verwaltet die Archidiakonate von Trier und Köln. 1306 wird er vom Papst Klemens V. zum Erzbischof von Köln erhoben. Damit ist er einer der einflußreichsten Fürsten des Reiches. Er ist Kurfürst und Reichskanzler für Italien. Bekannt wird er vor allem durch seine horrenden territorialen und finanziellen Forderungen bei den Wahlverhandlungen 1308 (Heinrich VII.) und 1314 (Ludwig IV.) sowie durch seine Erfolge, Mitgliedern seiner Familie möglichst gut dotierte Posten zu verschaffen. Er ist kein Theologe, hat keinen akademischen Grad erworben und wohl auch nie gepredigt.
14.12.1334 Dezember, Avignon
Papst Johannes XXII. stirbt im Alter von 90 Jahren.