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Walther von der Vogelweide
1 Under der
linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ mugt ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.
2 Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
dâ wart ich enpfangen,
hêre frowe,
daz ich bin saelic iemer mê.
kust er mich? wol tusentstunt,
tandaradei,
seht wie rôt ist mir der munt.‹
3 Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an das selbe pfat.
bî den rôsen er wol mac
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.
4 Daz er bî mir laege,
wessez iemen
nu enwelle got! sô schamt ich mich.
wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz, wan er unt ich,
und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.
Neuhochdeutsch:
1 Unter der Linde / auf der Heide, / wo unser beider Lager
war, / da könnt ihr entdecken / gleichmäßig
gebrochen
/ Blumen und Gras, / vor dem Wald in einem
Tal / tandara-
dei - / schön sang die Nachtigall.
2 Ich kam gegangen / zu der Wiese, / da war mein Liebster
schon vor mir dort. / Da wurde ich so begrüßt
/ - heilige
Jungfrau -, / daß ich für immer glücklich
sein werde. / Ob
er mich küßte? Wohl tausendmal! / tandaradei
- / seht,
wie rot mein Mund ist.
3 Er hatte schon vorbereitet / so wunderschön / aus Blumen
eine Lagerstatt. / Darüber freut sich noch
/ von Her-
zen / wer dort vorüberkommt. / Bei den
Rosen kann er /
tandaradei - / sehen, wo mein Kopf lag.
4 Daß er mit mir schlief, / wüßte es jemand, / das verhüte
Gott! so schämte ich mich. / Was er mit
mir tat, / soll
niemals jemand / wissen außer ihm und mir
/ und dem
kleinen Vöglein / tandaradei - / das wird
sicher
verschwiegen sein.
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