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Schubart Christian Friedrich Daniel
Nachtlied eines Gefangenen
(aus dem Jahre 1777)
als Gefangener auf dem Boden liegend, durch ein Loch
in der Mauer an den Mitgefangenen
Nun dann, in Gottes Namen
Legt sich mein Leib zur Ruh',
Herr Jesu! Amen! Amen!
Drück mir die Augen zu!
Wen deine Flügel decken,
Dem ist kein Bett zu hart,
Und für der Nächte Schrecken
Schützt deine Gegenwart.
Send' einen Engel nieder,
Der mir zur Seiten steht
Und meine müden Glieder
Mit Himmelsluft beweht.
Erscheine mir im Schlafe,
Erlöser, als der Hirt,
Der seine lieben Schafe
Auf grüne Auen führt.
Vertreib' mit deinem Lichte
Der bösen Träume Schar,
Und stelle dem Gesichte
Nur fromme Bilder dar;
O gib, daß meine Seele,
Vom Höllengeist geäfft,
Nie sündige und fehle,
Auch, wenn der Körper schläft.
Wenn neben mir ein armer
Gefangner Freund noch wacht;
So stärk' ihn doch, Erbarmer!
Mit einer guten Nacht.
Gib allen sorgenschweren
Beklemmten Herzen Rast;
Wisch' ab des Elends Zähren,
Und nimm des Müden Last.
Sollt' ich im Schlafe sterben,
So sei mein schneller Tod
Nicht Hinsturz in's Verderben,
Er sei ein Flug zu Gott!
Und nun, in Gottes Namen
Legt sich mein Leib zur Ruh',
Herr Jesu! Amen! Amen!
Mein letztes Wort bist du.
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