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Reinmar der Alte

Swaz ich nu niuwer maere sage,
des sol mich nieman frâgen: ich enbin niht frô.
Die friunde verdriuzet mîner klage,
swes man ze vil gehoeret, dem ist allem alsô.
Nû hân ich sîn beidiu, schaden unde spot.
waz mir doch leides unverdienet, daz erkenne got,
und âne schulde geschiht!
ichn gelige herzeliebe bî,
ez hât an mînen fröiden nieman niht.

Die hôchgemuoten zîhent mich,
ich minne niht sô sêre, als ich gebâre, ein wîp.
Siu liegent und unêrent sich:
si was mir ie gelîcher mâze sô der lîp.
Nû getrôste si darunder mir nie den muot.
der ungenâden muoz ich und des si mir noch getuot
erbeiten als ich mac.
mir ist eteswenne wol geschehen -
gewinne aber ich nû niemer guoten tac?

Sô wol dir, wîp, wie reine ein name!
wie senfte du ze nennen und zerkennen bist.
Ez wart nie niht sô rehte lobesame,
dâ du ez an rehte güete kêrest, sô du bist.
Dîn lop mit rede nieman wol vol enden kan.
swes du mit triuwen pfligest, wol ime, der ist ein saelic man
und mac vil gerne leben.
du gîst al der werlte hôhen muot,
maht ouch mir ein wênic fröide geben?

Ich hân ein dinc mir fürgeleit,
daz strîtet mit gedanken in dem herzen mîn:
Obe ich ir hôhe werdekeit
mit mînem willen wolte lâzen minre sîn,
Alde ob ich wolte, daz si groezer sî
und si vil reine saelic wîp stê mîn und aller manne frî.
siu tuont mir beidiu wê,
ich enwirde ir lasters niemer frô,
vergêt si aber mich, daz klage ich iemer mê.

Des einen und dekeines mê
wil ich ein meister sîn, al die wîle ich lebe:
daz lop wil ich, daz mir bestê
und mir die kunst diu werlt gemeine gebe,
Daz nieman sîn leit alsô schône kan getragen.
dez begêt ein wîp an mir, daz ich naht noch tac niht kan gedagen.
nû hân eht ich sô senften muot,
daz ich ir haz ze vröiden nime.
owê, wie rehte unsanfte daz mir doch tuot!

Ez tuot ein leit nâch liebe wê;
sô tuot ouch lîhte ein liep nâch leide wol.
swer welle, daz er vrô bestê,
daz eine er dur daz ander lîden sol
Mit bescheidenlîcher klage und gar ân arge site.
zer welte ist niht sô guot, daz ich ie gesach, sô guot gebite.
swer die gedulteclîchen hât,
der kam des ie mit vröiden hin.
alsô dinge ich, daz mîn noch werde rât.

Neuhochdeutsch:

Was ich jetzt Neues zu sagen habe, / danach braucht mich niemand fragen: ich bin nicht fröhlich. / Die Freunde verdrießt mein Jammern: / was man zu viel hört, mit dem ist es immer so. / Jetzt habe ich deswegen beides, Schaden und Spott. / Was mir doch an Leid unverdient, weiß Gott, / und ohne mein Verschulden geschieht! / Wenn ich nicht mit meiner Herzallerliebsten schlafen kann, / dann hat niemand irgendwelche Freude von mir.

Die Frohgesinnten werfen mir vor, / ich würde jene Frau nicht so sehr lieben, wie ich behaupte. / Sie lügen und verletzen (damit) ihre eigene Ehre: / Sie war mir immer so (wert) wie mein eigenes Leben. / Aber sie hat mir niemals Trost gespendet. / Ihre Ungnade und das, was sie mir sonst noch antut, / muß ich (geduldig) erwarten, so gut ich es kann. / Früher manchmal ist es mir gut ergangen: / werde ich dagegen jetzt nie wieder einen guten Tag erleben?

Gepriesen seist du, Frau: welch ein edles Wort! / Wie angenehm du doch auszusprechen und zu erkennen bist. / Es gab niemals etwas so zu Recht Lobenswertes, / wenn du das Richtige und Gute tust, wie es deine Art ist. / Dein Lob kann niemand in Worten ausreichend preisen. / Wen du in Treue liebst, wohl ihm: der ist ein glückseliger Mann / und der kann in Freude leben. / Du gibst der ganzen Welt hochgemute Gesinnung: / Kannst du nicht auch mir ein bißchen Freude geben?

Einen Fall habe ich mir zur Entscheidung vorgelegt, / der streitet nun mit Argumenten in meinem Herzen: / Ob ich (1) der Anlaß sein soll, / daß ihr hoher Wert vermindert würde, / oder ob ich (2) wollte, daß jener noch zunehme / und daß sie, die reine und hochzupreisende Frau, frei bleibe von mir und allen Männern. / Beides bringt mir Schmerz: / Über ihre Schande (1) wäre ich niemals froh; / aber wenn sie mich (2) übergeht, so klage ich immer darüber.

In einem und nichts anderem mehr / will ich Meister sein, solange ich lebe: / von dem Lob will ich, daß es mir zukomme / und daß mir alle Welt einstimmig die Kunst darin zuspreche, / daß nämlich niemand (anderer) sein Leid mit so schöner Haltung zu tragen weiß. / Eine Frau verursacht mir, daß ich weder nachts noch tags schweigen kann. / Nun aber habe ich einen so sanften Sinn, / daß ich ihre Feindseligkeit als Freude nehme. / Ach, wie großen Schmerz bereitet mir das doch!

Es tut Leid nach Liebe weh, / und so tut vielleicht auch Liebe nach Leid gut. / Wer wolle, daß er froh bleibe, / der muß das eine für das andere erleiden, / mit einsichtiger Klage und ganz ohne schlechtes Benehmen. / Auf der Welt ist nichts, was ich je sah, so gut wie geziemendes Warten. / Wer das in Geduld zeigt, / der kam damit stets mit Freuden voran. / So hoffe auch ich, daß mir noch Hilfe zuteil wird.