Petrarca Francesco
90. Sonett des "Canzoniere"
Es waren die Haare aus Gold in der Luft ausgebreitet,
die zu tausend süßen Knoten sie verstrickte,
und maßlos brannte das liebliche Licht
jener schönen Augen, die jetzt so wenig davon geben;
und das Gesicht nahm mitleidsvolle Farben an
- ich weiß nicht, ob echt oder falsch -, mir schien es [so]:
Ich, der ich den Liebesköder in der Brust hatte,
was wundert's, wenn ich sofort entflammte?
Nicht war ihr Gang der einer Sterblichen,
sondern engelhafter Art, und die Worte
klangen anders als von bloß menschlicher Stimme;
ein himmlisches Wesen, eine lebendige Sonne
war das was ich sah, und wenn sie auch jetzt nicht [mehr] so wäre:
[Eine] Wunde heilt durch Lockerung des Bogens nicht!
90. SONETT DES "CANZONIERE" Erano i capei d'oro a l'aura sparsi,
che 'n mille dolci nodi gli avolgea,
e 'l vago lume oltra misura ardea
di quei begli occhi ch'or ne son sì scarsi,
e 'l viso di pietosi color farsi,
non so se vero o falso, mi parea:
i' che l'esca amorosa al petto avea,
qual meraviglia se di subito arsi?
Non era l'andar suo cosa mortale
ma d'angelica forma, e le parole
sonavan altro che pur voce umana;
uno spirto celeste, un vivo sole
fu quel ch' i' vidi, e se non fosse or tale
piaga per allentar d'arco non sana.
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