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Hofmannswaldau Christian Hofmann von

Morgenlied

1.
Das Licht so sich verborgen /
Macht izt den neuen Morgen /
Es sinckt die trübe Nacht /
Die bleichen Sternen weichen /
der Monde wil verstreichen /
Und ich bin aufgewacht.

2.
Daß ich mich kan bewegen /
Daß Hand und Fuß sich regen /
Daß ich noch leben kan:
Das Auge / Mund und Ohren /
nicht ihre Krafft verlohren /
Hast du O HErr gethan.

3.
Diß hab ich aus Genaden /
Ich / der ich bin beladen /
Mit überhäuffter Schuld /
Es scheint du wilst die Flecken /
Mit deinem Mantel decken /
Und hast mit mir Geduld.

4.
HErr laß mit reinem Hertzen
Mich schauen diese Kertzen /
Die Erd und Himmel ziehrt:
Laß doch den Schnee der Sünden /
Für diesem Strahl verschwinden /
Den du hast aufgeführt.

5.
Bewege Hand und Sinnen /
Treib selber mein Beginnen /
Sey meines Geistes Licht:
Wie kan mein Fuß bestehen /
Und ohne Straucheln gehen /
Wenn mir dein Trieb gebricht.

6.
Verschleuß des Geistes Schrancken /
Für nichtigen Gedancken /
Für Dornen böser Lust /
Für Disteln vieler Plagen /
Die guten Kräuter jagen
Aus der verdörrten Brust.

7.
Ich bin in einer Wüste /
Voll tausend böser Lüste /
HErr reiche mir die Hand /
Ich kan heraus nicht schreiten /
Wird mich dein Wort nicht leiten /
In ein bebauter Land.

8.
Ich will mich zwar bemühen /
Den Glantz der Welt zu fliehen /
Darinn ich bin verhafft;
Doch weil auf allen Seiten /
So leichtlich ist zu gleiten /
So gib mir neue Krafft.

9.
HErr lencke mein Gesichte
Hin zu dem rechten Lichte /
Und zu dem rechten Schein;
Heb du des Geistes Schwingen /
Die Wolcken durchzudringen /
So kan ich Adler seyn.