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Grillparzer Franz

Über Essen und Sparsamkeit
Aus “Weh dem der lügt”

Wenn eine Küch' der Ort ist, wo man kocht,
So sucht Ihr sie im ganzen Schloß vergebens.
Wo man nicht kocht ist keine Küche, Herr,
Wo keine Küche ist kein Koch. Das, seht Ihr?
Wollt' ich dem Bischof sagen; und ich tu's,
Ich tu's fürwahr, und säht Ihr noch so scheel.
Pfui Schande über alle Knauserei!
Erst schickten sie den Koch fort, nun, da meint' ich,
Sie trauten mir so viel, und war schon stolz,
Doch als ich anfing meine Kunst zu zeigen,
Ist alles viel zu teuer, viel zu viel.
Mit Nichts soll ich da kochen, wenn auch nichts.
Nur gestern noch erhascht' ich ein Stück Wildbret,
So köstlich als kein andres, um 'nen Spottpreis,
Und freute mich im voraus, wie der Herr sich,
Der Alte, Schwache, laben würde dran.
Ja, prost die Mahlzeit! Mußt' ich's nicht verkaufen,
An einen Sudelkoch verhandeln mit Verlust;
Weil's viel zu teuer schien, gar viel zu kostbar.

Daß Ihr Euch selbst nichts gönnt, daß Ihr an Euch
Abknappt, was Ihr an andre reichlich spendet.
Und das kann ich nicht ansehn, ich, Eu'r Koch.
Ihr müßt dereinst am jüngsten Tag vertreten
Wohl Eure Seel', ich Euern Leib, von Rechtens,
Und darum sprech ich hier in Amt und Pflicht.

Seht! essen muß der Mensch, das weiß ein jeder,
Und was er ißt, fließt ein auf all sein Wesen.
Eßt Fastenkost und Ihr seid schwachen Sinns,
Eßt Braten und Ihr fühlet Kraft und Mut.
Ein Becher Weins macht fröhlich und beredt,
Ein Wassertrunk bringt allzuviel auf g'nug.
Man kann nicht taugen, Herr, wenn man nicht ißt.
Ich fühle das an mir, und deshalb red ich.
Solang ich nüchtern, bin ich träg und dumm,
Doch nach dem Frühstück schon kommt Witz und Klugheit,
Und ich nehm's auf mit jedem, den Ihr wollt.