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Brentano Clemens

Der Pilger und die fromme Dame
Des Knaben Wunderhorn, Band 1

Es reist' ein Pilgersmann nach Morgenland hinaus,
kam vor eines Edelmannes Haus,
Kam vor sein Haus, vor seine Tür,
Trat eine schöne Dam' herfür.

Er sprach sie an um eine gute Gab' ,
Was eine solche Dam' vermag:
"Ich kann dir halt nichts geben,
In mein Schlafkämmerlein laß' ich dich legen."

Der Pilgersmann war von Herzen froh,
Sein' Mantel er sogleich auszog,
Sie schlafen beieinander die liebe, lange Nacht,
Bis daß das Hämmerlein sechs Uhr schlägt.

"Ei, Bettelmann, steh auf, es ist schon Zeit,
Die Vögelein singen auf grüner Heid".
"Ei, laß sie betteln und pfeifen oder nicht,
Von meiner Allerliebsten scheid' ich nicht."

Und als der Pilgersmann zum Hof rauskam,
Der Edelmann vom Jagen zurückekam.
"Ich wünsche Euch das ewige Leben,
Die Fraue hat mir schon Gab' gegeben."

"Ei, Frau, was hast du denn dem Bettelsmann gegeben,
Daß er mir wünscht das ew'ge Leben?!«
"Ich hab' ihm nichts gegeben als dies oder das,
Soviel mein zarter Leib vermag." -

"Ei, Frau, laß den Bettelmann ein nimmer in dein Haus,
Lang' ihm seine Gabe zum Fenster hinaus,
Bind' s ihm an eine lange Stange an,
Daß er zu Dir nicht langen kann."

"Ei, Mann, er bringt ja Segen in dein Haus,
Es geht der fromme Mann ins Morgenland hinaus."
"Und zieht er hin, so laß ihn gehn,
Er möchte sonst gar stillestehn."