|
|
Angelus Silesius
Geistliche Hirtenlieder, Erstes Buch, VIII.
Sie hält ihn für ihr Kleinod
1.
O du Kleinod meiner Sinnen,
Schönste Perle, feinstes Gold;
Jesu, dem ich herzlich hold,
Den ich suche zu gewinen;
Soll es denn noch lange währen,
Dass ich deiner muss entbehren?
2.
Tausendmal hab' ich mit Tränen
Laut geschrien und geruft;
Tausendmal wird in der Luft
Noch gehört mein kläglich Sehnen;
Jesu, Kleinod meiner Sinnen,
Wann werd' ich dich gewinnen!
3.
Liegst du denn so tief vergraben,
Schönste Perle, feinstes Gold,
Daß mein Herz, dem du noch hold,
Dich so lange nicht kann haben?
O du Kleinod meiner Sinnen,
Lass dich doch einmal gewinnen!
4.
Alle Schätze dieser Erden
Und was köstlich wird geacht't,
Ja auch gar des Himmels Pracht,
Laß ich and'ren gerne werden,
Wenn ich dich nur kann gewinnen,
Jesu, Kleidod meiner Sinnen.
5.
Ei, so gib mir doch die Kräfte,
Schönste Perle, feinstes Gold,
Dass ich, wie ich längst gewollt,
Meinem Herzen dich einhefte,
Dass ich, wie ich längst gewollt,
Meinem Herzen dich einhefte,
Dass du ewig sei'st darinnen,
Und verzückest meine Sinne Sinnen.
|