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Alexis Willibald

Erstes Buch, Siebentes Kapitel.
Der Staatsmann.

Wir überlassen die Geheimrätin Lupinus und den Hofrat Heim ihrem Tête-à-tête, welches für den letztern minder interessant gewesen sein muß als für die erstere, denn schon nach zehn Minuten nahm er seinen Stock – den Hut ließ er immer im Wagen zurück – und sagte: »Hören Sie mal, Frau Geheimrätin, Ihre Krankengeschichte erzählen Sie mir wohl ein andermal; denn hol mich der Teufel, wenn ich nicht geglaubt hätte, es ginge auf Leben und Tod, so mußte ich zur Prinzeß Ferdinand, die ist wirklich krank.« – Aber auch die Prinzessin Ferdinand mußte nicht ganz so krank sein, denn er machte noch verschiedene andre Besuche, bis er durch den Sand des Wilhelmsplatzes vor ihrem Palais vorfuhr, und auch da ward er nicht sogleich vorgelassen, weil die Prinzessin noch mit ihren Kammerfrauen einige dringende Toilettengeschäfte hatte. Etwa zehn Minuten spielte der Hofrat mit dem großen Rohrstocke und dem goldenen Knopfe, indem er ihn sanft in der Hand gleiten und sanft auf den Boden fallen ließ, während der Kammerherr ihn mit Bemerkungen über das Wetter und Anekdoten aus der kleinen Hofgeschichte unterhielt. Dann aber ließ er den Stock etwas stärker auf das Parkett fallen und faßte den Kammerherrn am Knopfe: »Hören Sie mal, Baron, sagen Sie Ihrer Königlichen Hoheit, ich will erst zum Scharfrichter Brand vors Hamburger Tor. Da wird die Kindesmörderin seziert, ein prächtiger Kadaver. Wenn ich zurück bin, wird die Prinzessin wohl fertig sein.« Es verging keine Minute, so ward Heim vorgelassen. Wir wissen nicht, ob er auch hier eine Krankheitsgeschichte hören mußte; aber er brauchte seitdem nie mehr in der Antichambre zu warten.

Wir führen unsere Leser in die Wohnung und die Geschäftszimmer des vornehmen Mannes, dessen flüchtige Bekanntschaft wir in der Gesellschaft gemacht. In seinem Hause, unter seinen Untergebenen, war der Wirkliche Geheimrat ein andrer Mann. Man könnte sagen, er sei um einige Zoll gewachsen; der von den vielen huldreichen Verbeugungen gekrümmte Rücken war hier grade geworden. Er war aber um deswillen kein großer und auch kein grader Mann.

Im Vorzimmer waren Expektanten. Die trüben Mienen verrieten, daß nicht jeder Hoffnung hatte, vorgelassen zu werden. Sie wandten sich an die durchpassierenden Beamten. Wie viele große Männer hätte ein Neuling da zu entdecken geglaubt, wenn sie freundlich zuhörten, sich an der Binde zupften oder die Schulter zuckten. Und doch waren es nur Schreiber und Boten. Ob einer von ihnen sich in den Winkel ziehen und zu einer vertraulichen Verständigung hinreißen ließ, will ich nicht verraten haben.

Das Zimmer, wo der Geheimrat empfing, war geräumig, halb mit Aktentischen und Repositorien, halb mit den Bequemlichkeiten und dem Luxus eines reichen Lebens ausgestattet. Auf den Fauteuils und kleinen Tischen lagen zerstreut in elegantem Einband die neuesten Werke der französischen Literatur. Am Ende des Aktentisches saß ein jüngerer Rat, in den eingegangenen Schriftstücken blätternd und sie zum Vortrag ordnend. Im entferntern Winkel stand der Geheimrat und hatte einer Dame Audienz erteilt, die sich sehr bescheiden in der Ecke zwischen Fenster und Hintertür hielt. Es war eine Tapetentür, durch welche sie auch vermutlich der Kammerdiener eingelassen, denn nach Beendigung der Audienz schlich sie durch diese Tür hinaus. Ihre vielen Ringe, eine Garderobe aus den kostbarsten und auffällig modernen Stücken und der prachtvolle Shawl darum schienen ihr eher ein Anrecht auf einen Platz auf dem Sofa zu geben, wenn nicht die Haltung der sehr wohlbeleibten Frau verraten hätte, daß die Hülle nicht recht zum Körper oder der Körper zur Hülle sich schickte. Einem Psychologen hätte vielleicht schon ein Blick auf ihre groben Füße angezeigt, daß die feine Kleidung ihr nicht angeboren war. Wer ihr aber ins Gesicht sah, wo trotz aller Sanftmut und Glätte die ursprüngliche Gemeinheit sich nicht verbergen konnte, begriff, warum der Geheimrat in einer Art ihr Audienz gab, wie es in der Regel auch ein noch vornehmerer Mann keiner Dame gegenüber übers Herz bringen würde. Er stand, die Hände in den Seitentaschen, halb seitwärts, halb ihr den Rücken kehrend, wodurch sie freilich Gelegenheit gewann, ihr Anliegen auf dem nächsten Wege ihm ins Ohr zu flüstern. Sie sprach leise. Er hatte mehrmals den Kopf geschüttelt. Dann sprach er, gleichfalls mit gedämpfter Stimme: »Gedulden Sie sich also, bis Lombard kommt; er kann die Sache allein arrangieren. Und bis dahin hüten Sie sich, daß keine Klage einläuft. Keinen Skandal! In dem Fall wollen wir die Sache schon hinhalten.«

Die Supplikantin verbeugte sich tief. Er klopfte ihr freundlich auf die Schultern. Sie wollte ihm die Hand küssen. Das litt er nicht.

Der junge Rat las von einem Zettel den Namen der nächst zur Audienz aufgeschriebenen Person. Der Geheimrat machte eine Bewegung mit der Hand und warf sich, die Beine übereinander, aufs Sofa; ein Zeichen, daß er sich erholen wolle, vielleicht glaubte der Vortragende darin eines für sich zu erkennen, daß Bovillard sich über die vorige Audienz auszulassen Lust hatte.

»Was wollte denn die Schubitz?« fragte er, zwischen den Papieren kramend. »Eine Eingabe von ihr ist nicht da.«

»Man will sie in der Behrenstraße nicht länger dulden. Sie soll ihr Haus verlegen – in eine minder anständige Straße«, setzte der Geheimrat mit sarkastischer Miene hinzu.

»Wer will denn das, wenn ich fragen darf?«

»Erinnern Sie sich, was le grand Frédéric dem alten Spalding antwortete? Der beklagte sich auch über eine Nachbarschaft, die ihn in seinen Meditationen störte, und Friedrich schrieb nur auf den Rand des Memorials: ›Mon cher Spalding, ni vous ni moi... pourquoi donc gêner d'autres...1)‹ Unter Friedrich hätte die Behrenstraße petitionieren können, bis sie aschgrau ward.«

»Auch unter –«, der Rat verschluckte es, denn der Geheimrat unterbrach ihn.

»Das muß man Wöllnern lassen. Er wußte christlich ein Auge zuzudrücken, wenn – es die Schwäche seines Nächsten galt.« Er betonte die letzten Worte.

Der junge Rat hatte vorhin die Aufforderung zum Lächeln übersehen. Er lächelte jetzt.

»Aber wer kann es sein?«

»Wer! Wer? Mon cher! Haugwitz vielleicht, oder Lucchesini, Schulenburg, oder Beyme, der Cato Censorius. Vielleicht ist auch Prinz Louis Ferdinands sittliches Gefühl beleidigt.«

Der Geheimrat gefiel sich so, daß er aufstand und mehrmals durch die Stube schritt: »Ja, ja, es hat sich manches in Preußen geändert.«

»Und wird noch manches anders werden«, setzte der Rat hinzu.

»Gewiß, wenn man uns in Ruhe läßt, wenn man verständig denkt und handelt; wenn man die Kläffer nicht hört, wenn, wenn – was liegt noch vor, lieber Rat?«

Das Vorliegende schien den Wirklichen nicht sehr zu interessieren. Er ging noch immer auf und ab: »Der Freiherr Hardenberg ist ein gentiler Mann, das ist nicht zu leugnen, und ich verdenke ihm auch nicht, daß er lieber in Berlin ist als in Ansbach und Bayreuth, aber – –« Der Wirkliche fand es für gut, den folgenden Gedanken zu verschlucken. Nach einer Weile fand er es wieder für gut, einige Gedanken über die Lippen zu lassen: »Auf diese Sprudelköpfe gebe ich gar nichts. Eine Partei, die nur dampft und lodert, ist nicht gefährlich. Sie kennen, lieber Freund, die Natur des Königs noch nicht, wenn Sie glauben, daß solches Feuer auf ihn Eindruck macht. Im Gegenteil, die Genialitäten sind ihm zuwider. Diese Herren von Sturm und Drang, die uns aus unsrer Haut jagen möchten, weil unsre Aisance ihnen nicht gefällt, kommen mir vor wie die modernen Kraftgenies, diese sogenannten Romantiker, über die der Vernünftige lächelt. Man macht es mit, weil es Modesache ist. Ja, wir langweilten uns; diese jungen Leute bringen etwas Pikantes ins Leben, Paradoxien, Raketenfeuer, was einen Augenblick angenehm prasselt. So muß man es auffassen. Ein Tor, wer es für mehr nimmt. Oder glauben Sie, daß aus diesen jungen Herren je etwas wird, vorausgesetzt, daß sie sich nicht bekehren, was übrigens bald genug eintritt. Der extravagante Herr Bernhardi gibt schon jetzt klein bei und unterhandelt beim Magistrat um eine Anstellung an der Schule. Ach, mein Freund, das praktische Leben bildet die Menschen, und wenn der Brotkorb hoch hängt, so lernt auch der Lahme springen. Der Wackenroder hat einen braven Vater, er wird schon zu sich kommen. Ich bitte Sie, halten Sie es für möglich, daß diese Herren Schlegel jemals nur auf einer Universität zugelassen werden! Und dieser junge Mensch, der Monsieur Tic oder Tique, der mit seinen krausen Phantasien die Welt verkehrt machen will, glauben Sie, daß nach zehn Jahren noch ein Hahn nach ihm kräht? In einem Menschenalter ist sein Name vergessen. Gönnen wir ihnen das Vergnügen, sich ein wenig sonnen in der Gunst des Augenblicks, und gaffen wir's an wie einen Sonnenaufgang in der Oper. Mais mon cher, le classique est éternel! Racine und Corneille, welche dieser Monsieur Schlegel wie Schulknaben traktiert, seront pour toujours les délices du genre humain, und könnte ich einen Blick in das Elysium werfen, möchte ich le grand Voltaire sehen, wie er mit dem grand Frédéric sich über diese deutschen Kritiker mokiert, die an seinem Piedestal von Granit mit einem Schusterpfriemen feilen. Der Kotzebue, an dem sie auch häkeln und mäkeln, er ist nicht eminent, aber ich sage Ihnen, und dazu gehört keine Clairvoyance, daß er sie um ein Siècle überlebt.«

Der Rat sagte: »Wer in den Spiegel der Zukunft sähe!«

»C'est plus que ridicule«, fuhr der Redner fort, »daß in der Kapitale Friedrichs, wo Voltaire das Pflaster betreten hat, oder eigentlich ist er nur in der königlichen Kutsche gefahren, wo wir doch ganz respektable Gelehrte haben, die Herren Nicolai, Biester, und wie sie heißen, daß hier eine école mystique sich auftun konnte.«

»Sie findet nicht großen Anhang.«

»Wer redet davon! Haben Sie das Sonett auf die Jungfrau von dem Judenjungen neulich gelesen? C'est charmant! Das lob ich mir. Man glaubt draußen allen Ernstes, sie könnten uns über Hals und Kopf konvertieren, und wenn wir eines Morgens aufständen, wären wir katholisch geworden, wir wüßten nicht wie!«

»Die Brandenburger würden sich schwer dazu akklimatisieren.«

»Acclimatiser! ein hübscher Einfall. Aber meinethalben! Je mehr Schaumblasen, die das Publikum beschäftigen, und Phantome, die es ins Bockshorn jagen, desto besser für uns. Aber diese Herren sollten sich nur nicht mit politischen Ideen abgeben. Die tudesquen Vorstellungen, die hie und da auftauchen, doppelt lächerlich in Friedrichs Hauptstadt! Je vous prie, mon cher, qu'est-ce que c'est donc que l'Allemagne? Allerlei Mansch, allerlei Menschen, bunt durcheinander. Ce terrible Götz de Berlichingen, wenn er in dem eisernen Ofen über die Bretter knackt, et les ravissements et les larmes du public! Klassische Bildung! en vérité! Da ist ein junger Herr von Kleist, höre ich, der möchte den großen Arminius auf die Bretter bringen. Den Hermann sollten sie doch ruhig auf seiner Bärenhaut schlafen lassen, wo Klopstock ihn eingesungen hat. Wo gehört denn der Deutsche besser hin als auf die Bärenhaut, um zu meditieren. Aber so sind wir Idealisten! Mit nichts wissen sie umzuspringen, für nichts zu arbeiten, für nichts sich zu schlagen – als für Ideen.«

»Geschlagen haben sich die Deutschen doch, und wenn sie sich nicht so schlugen, wie sie sollten, war es eben nur, wie ich meine, weil ihnen die Idee fehlte, für die sie sich schlugen.«

Der Einwand schien dem Geheimrat unbequem zu kommen. Von Untergeordneten läßt sich ein vornehmer Mann ungern aus dem Felde schlagen. Er fiel plötzlich dem Gegner in die Flanke, da, wo er es wirklich nicht erwartete:

»Sagte ich es Ihnen nicht! Ganz richtig Ihre Bemerkung, die Ideen fehlen ihnen, weil nur das Genie Ideen hat und kein Genie da ist. Wo sollten sie denn zutage gefördert werden? In der freien Reichsstadt Dinkelsbühl, in Nürnberg oder bei der Reichsritterschaft des obersächsischen Kreises? Wenn diese Misere, die nie gelebt hat, die nur das faule Fleisch war, die Schwiele und Hornhaut vom Körper, welche seinen gesunden Blutumlauf hindert, ich bitte Sie, wenn diese Misere jetzt prätendiert, wo der Riese von Korsika sie mit einem Fußtritt zerquetscht, Ideen eines Gesamtlebens zu haben!«

»Sie prätendieren es auch kaum«, sagte mit ernstem Tone der Rat.

»Desto törichter, wenn andere für sie denken und prätendieren, wenn Phantasten und Nebelmenschen Vorstellungen erwecken wollen, die durch die Weltgeschicke glücklicherweise applaniert sind. Solch ein Dunstbild einem Genie wie Bonaparte gegenüber! – Sie sind noch jung, Herr von Fuchsius. Ich trug auch Ideen aus den Hörsälen ins Leben über. Ach, aber Teuerster, wie schnell kuriert uns das Geschäftsleben. Mich kümmern auch nicht im geringsten diese Schwärmer, sie sind so unpraktisch, unbedeutend, daß man ihnen nicht einmal irgendein Spielzeug hinzuwerfen braucht. Verdrießlich ist nur, daß Bonaparte, durch falsche Zuträger, durch Zeitungsartikel getäuscht, davon Notiz nimmt. Lombard hat alle Mühe, ihm zu beweisen, daß dieser Furor teutonicus nichts ist als eine Seifenblase, mit der sich einige Professoren belustigen.«

»Der Beweis wird ihm nicht zu schwerfallen«, sagte der Rat aufstehend. »Herr Geheimrat ließen gestern fallen, daß Ihnen eine Notiz im ›Hamburger Unparteiischen‹ bezüglich auf Lombards Depesche nicht unangenehm wäre. Wir wurden unterbrochen. Meine Feder und mein Wille stehen zu Ihrer Disposition.«

Bovillard setzte sich halb auf den Tisch, indem er vertraulich den Arm auf die Schultern des Rates legte; die Runzeln seines Gesichtes verzogen sich in ein wohlgefälliges Lächeln:

»Mich hat seit lange kein Brief so erquickt!«

»Lombard muß Wichtiges berichtet haben«, bemerkte der Beamte. »Nach den Äußerungen des Herrn Geheimrats gestern zu mehreren Geschäftsmännern herrscht unter den Kaufleuten eine sehr frohe Stimmung.«

»Dürfte ich Ihnen den Brief zeigen! Bonaparte hat ihn empfangen nicht wie einen Abgesandten, sondern wie einen alten lieben Bekannten, den er endlich von Angesicht zu Angesicht sieht. Er saß auf dem Sofa und las. Was denken Sie? Den Ossian. Nachdem er Lombard die Hand gereicht, rezitierte er ihm eine Stelle voll der tiefsten Empfindung für Menschenwohl. Er fragte ihn, ob er Ossians Gefühle teile. Lombard war nicht ganz vertraut, da las er ihm selbst die Szene vor, wo Malwine im Mondenschein über das Schlachtfeld eilt und süße Betrachtungen ausgießt darüber, daß Mord und Schlachten die Geschicke der Menschheit regulieren. Bonaparte schlug das Buch zu und wandte sich schnell ab, um seine eigene Bewegung zu verbergen. Und diesen Mann gefallen sich unsere Fanatiker einen Blutmenschen zu nennen! ›Wer gebietet der Parteienwut!‹ Das warf auch Bonaparte im Gespräch hin. ›Sire‹, erwiderte Lombard, ›Europa kennt den Sieger des achtzehnten Brumaire.‹ Der Kaiser schüttelte mit gesenktem Blick den Kopf: ›Ach, das war für die Straßen von Paris, für Frankreich vielleicht, aber der Genius muß noch geboren werden, der Europa wieder in seine Fugen richtete.‹ Lombard zitierte eine Stelle aus einer Schrift des jungen Ancillon. Napoleon schien sie zu kennen, aber mit einem schlauen Augenaufschlag fiel er ein: ›Mich dünkt, der Sinn ist weit schlagender in den Worten ausgedrückt.‹ – Und was zitierte er? Eine Stelle aus einem von Lombards Traités!«

»Sollte Bonaparte Lombards Schriften gelesen haben?« rief der junge Rat mit einem ungläubigen Lächeln.

»Dieselbe Frage stellte Lombard, natürlich nur mit andern Worten, und sein Gesicht mag auch dabei geglänzt haben, denn, wir wollen es nicht leugnen, er ist etwas eitel. Eitel sind wir alle, lieber Fuchsius. Napoleon sah ihn mit seinen schönen, klugen Augen vielsagend an und griff dann nach einem Buche, das neben ihm auf dem Tische lag. Es war Pariser Druck und Band, Sie werden es sehen. Kaum, daß er darin geblättert, schlug er eine Seite auf und reichte sie dem Gesandten. Es war Lombards Diktum. – ›Unverdiente Ehre, wenn mich ein französischer Schriftsteller zitiert hat.‹ – ›Sie sind es ja selbst‹, lächelte Napoleon und wies ihn auf den Titel. Kurzum, es waren Lombards Traités in einer Pariser Ausgabe, prachtvoll gedruckt. Und mit einem Wort, es kam heraus: Der Kaiser hat Lombards Abhandlungen, weil sie ihm so sehr zusagen, in einer Prachtausgabe für sich und seine vertrauten Freunde drucken lassen. Napoleon Bonaparte, sage ich Ihnen, der Genius des Jahrhunderts, kann sich von Lombards Schriften nicht trennen, er führt sie mit sich in seinem Feldnecessaire, er blättert täglich, er findet Zerstreuung, Erholung, Erquickung darin, wenn die Sorgen ihn drücken. Mit französischer Artigkeit bat er ihn um Entschuldigung wegen des Nachdrucks, den er in seinem Reiche streng bestrafen würde, denn jeder Arbeiter müsse die Früchte seiner Arbeit genießen können. Aber die deutsche Typographie sei noch so weit zurück, es tue seinen Augen wehe, einen schönen Gedanken grob auf deutschem Papier zu sehen. ›Ach‹, fügte er hinzu, ›was könnte aus Deutschland, ich meine, aus Ihrem Preußen werden, wenn ein Genius die Industrie belebte!‹ Lombard erwiderte in galanter Weise die Artigkeit: er fühle sich in seinem Interesse durch den Nachdruck so lädiert, daß er auf eine große Entschädigung Anspruch mache. Er fordere nicht weniger als das Exemplar, welches durch des Kaisers Hand geweiht sei. ›Ich gebe es ungern, es ist mir lieb geworden‹, sagte der Kaiser, ›aber Sie sind im Recht, und nun ist es nicht mehr meines., Er hatte rasch seinen Namen mit einer verbindlichen Zeile hineingeschrieben.«

Anmerkung:

  1. Mein lieber Spalding, weder Sie noch ich... warum dann andere belästigen

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