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Anmerkungen zur Religionsgeschichte des Christentums Die Wurzeln christlichen Denkens sind im Judentum zu suchen, jedoch nicht ausschließlich. Vielmehr haben assyrische, babylonische, persische und ägyptische Religiosität das sich entwickelnde Christentum ebenso erblich beeinflußt wie römische und griechische Philosophie. So kennt der Mitras-Kult Taufe, Konfirmation, Abendmahl und Dreieinigkeitslehre und nimmt den 25. Dezember als Geburtstag des Lichtgottes an. Im Isis-Kult der Ägypter ist bereits eine unbeflekte Empfängnis beschrieben. Der Wiedergeburtsgedanke ist vermutlich durch indischen und persischen Einfluß ins Christentum gelangt. Vom Judentum wurde der Monotheismusgedanke und das sich auserwähltes Volk fühlen, das königliche Priestertum und ähnliches übernommen. Aus dem Ausschließlichkeitsgedanken (Erwählung) entstand elitäres Denken gegenüber anderen Religionen, was natürlich zu Zwisten führen mußte und kämpferisches Verhalten förderte. Die dabei auf dem Kampfplatz gebliebenen werden als Märthyrer verherrlicht. Noch in unserer Zeit werden Kriege häufig religiös motiviert, ganz im Gegenteil was nach allen Informationen der Religionsgründer des Christentums im Auge hatte, wenn er an Petrus z.B. die Worte richtete, stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert zieht, der soll durch das Schwert umkommen. Das Christentum und sein Denken hat geschichtlich mehrere große Abschnitte und entsprechende Zässuren. Gründerzeit Ausbreitungszeit Römische und griechische Gedanken über Selbstverantwortung und Demokratie standen in starkem Widerspruch zu dem Glaubensgut der Christen, die behaupteten genau zu wissen, was gut und böse ist und wer in den Himmel kommt und wer verdammt wird. (Wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, dann müßt ihr in euren Sünden sterben.) Daß ein Pophet aus einem Volk der Ziegenhirten stammte und der das schwarz-weiß Denken förderte, das Wissen seiner Zeit nicht gerade mit Löffeln genossen hatte und sich ohne es zu kennen darüber lustig machte, war für römische Denker eine Zumutung. Nein, es war keine Religion der Gebildeten, sondern eine der geistig und materiell armen. Wen nimmt es wunder, daß die Christen bespöttelt wurden und ihre Stärken lange verborgen blieben. Da auf die Dauer kein Miteinander zwischen der Antike und dem neuen Gedankengut möglich war, wurde die Antike übernommen. Das gilt ebenso für viele Elemente der germanischen Religion, z.B. Weihnachtsbaum und gipfelte in der Scholastik in der Bemerkung des Thomas von Aquin, daß die Wissenschaft Dienerin der Religion sei, die ihre Ansrpüche zu prüfen habe. Dogmatisierung Justinus der Märthyrer (~ 100 - 163), Innere Gefahren für das Christentum in dieser Periode waren die Gnostiker (Martial), die Manichäer, Arius und Atanasius. Da das Christentum in der Anfangsphase noch nicht durch Dogmatik festgelegt war, waren diese Gefahren von großer Bedeutung. In der Gnosis vermischen sich noch nicht ausgedeutete christliche Glaubenssätze
mit altorientalischen Einflüssen. Das denkerische Erbe von Poseidonius, Platon,
Plotin, Pytagoras und der Stoa wird assimiliert. Basilides (~125) und Valentinius
() begründen eine judaistische bzw. paganisierende Gnosis. Martianus aus
Synope gründet seine eigene Kirche und verwendet als Unterschied zu den Juden-Christen
die im Christentum abgelehnte Beschneidung (Paulus: Bei Gott gilt nicht Beschnittensein
oder Unbeschnittensein sondern eine neue Kreatur). In der Gnosis verändert
sich die Theodizee (Rechtfertigung Gottes) und Herkunft des Bösen. Dort wird
der Schöpfergott (demiurg) und Gott der Gerechtigkeit unterschieden vom Erlösergott
und Gott der Liebe. Martian sieht den Jawe als Schöpfergott und Jesus als den
Gott der Liebe an. Aus der richtigen Erkenntnis, daß beide Gottesbilder im
Grunde unvereinbar sind. Dadurch erhält auch die Sünde besondere Züge: Im Menschen
kämpfen die Mächte der Finsternis und des Lichts miteinander. Seine Seele ist
jedoch nur Kampfplatz der widerstreitenden Prinzipien. Diesen inneren Kamp
soll der Mensch erkennen. (Gnosis = Erkenntnis). Der Geist erforscht alle Dinge,
auch die Tiefen der Gottheit. Scholastische Phase (800 - 1500) Hatten in der griechischen Kultur die Menschen wenig Abstand zu ihren Göttern (Zeus zeugte nicht nur mit Leda Kinder und die Götter konnten auch durch mythische Helden betrogen und überwunden weden), so war entsprechend dem orientalischen Denken, das in das Christentum eingegangen war, zwischen der Gottheit und den Menschen ein gewaltiger Abstand. Diese Kluft mußte entweder überwunden oder erklärt werden. Ein Erklärungsversuche ist die These, der Mensch sei ein Geschöpf (kein Kind) Gottes. Durch den Sündenfall sei er jedoch sehr tief gefallen. Aus diesem Grund spielt im Christentum die Demut eine wichtige Rolle, der Hochmut, das Sicherheben über Gottes Gesetz, führte zur Vertreibung aus dem Paradies und direkt zur Hölle. Die Tugenden der Griechen (Leibeserziehung, Weisheitslehren) sind dem Christentum nur glänzende Laster. Immer mehr ging die Entwicklung zu einem Übervater als Gott, der eine Persönlichkeit war, mit dem die Seele redete (Gebet) und vor dem sie sich zu verantworten hatte (Gericht). Die antike Seele dagegen ist eher unpersönlich (Es) und ein Naturfaktor. Durch Gottes Annahme oder Ablehnung wird die Seele unsterblich geadelt oder verdammt in alle Ewigkeit (Aus Gnaden sind wir was wir sind). Von Anfang an hatte die Kirche mit dem anfänglich übernommenen jüdischen Gottesbild ihre Probleme. Dort ist Gott ein Rächer, der die Sünden der Väter bis ins dritte und vierte Glied heimsucht. Im Christentum ist er Gott der Gnade, ein Vater-Gott. Diesen Vater verstehen zu wollen, ist ein hochmütiges Unterfangen. Von ihm wird der Mensch wiedergeboren zum "ewigen" Leben. So lautet das Zentraldogma der mittelalterlichen Kirche. Er sagt, was wir zum Leben brauchen und was wir wissen müssen. Ohne Zweifel hatte dieses Verhältnis eine erhebliche Auswirkung auf die Lebenshaltung des mittelalterlichen Menschen und die Entwicklung seines Geistes und seiner Wissenschaften. Alle Wissenschaft kann nur unter dem Hauptgedanken betrieben werden, man wolle Gott besser verstehen und seine Werke besser preisen können. Eine Denkweise, die sich erst im Zeitalter der Aufklärung (17. und 18. Jh.) ändern sollte. Sintemal die Juden Wunder suchen und die Griechen Weisheit. Wie stimmt Christus mit Belial und was hat das Licht mit der Finsternis zu tun. Das Verhältnis der Menschen untereinander ist bestimmt durch die These, du sollst deinen nächsten lieben als dich selbst. Wir alle sind Brüder und Schwestern, einer aber (Gott, Jesus) ist Meister. Aus diesem Grund kannte das frühe Christentum keine Standesschranken und lud auch die mühseligen und beladenen zur Nachfolge ein. Er stellte vor Gott alle gleich, was einer sozialen Revolution entsprach. Während Stoiker und Epikuräer Sinn und Ziel des Lebens im diesseitigen sahen (persönlich befriedigendes Leben und sozial intakte Gemeinschaft) führen Christen den Gedanken der Erlösung zu einer "besseren" Welt (Himmel) ein. Während in der indischen Religion die Erleuchtung ein Prozeß ist, der lebenslanger Anstregung bedarf und sogar mehrere Wiedergeburten notwendig sind, ins Nirvana einzugehen, ist die Erlösung im Christentum ein geschichtlich einmaliger Vorgang mit ewigen Folgen.
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