|
Sturm und Drang (1767- 1785)
1.1 Begriff
Die Sturm- und Drang-Zeit ist eine nach dem Schauspiel "Sturm
und Drang" (1776, ursprünglicher Titel "Wirrwarr",
von Chr. Kaufmann umbenannt) von F.M. Klinger bezeichnete geistige
Strömung in Deutschland, die von der Mitte der 60er bis zur Mitte
der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts zu datieren ist.
1.2 Historischer Hintergrund
Ausgelöst wurde diese vorwiegend von 20- bis 30jährigen getragene
Bewegung durch den Protest gegen die Denk- und Lebensformen der
Aufklärung, z.B. gegen den einseitigen Rationalismus, gegen die
Regel- und Normengläubigkeit, auch gegen die erstarrten Konventionen
der ständischen Gesellschaftsordnung. Diese jugendliche Revolte
blieb politisch völlig wirkungslos. Jedoch erwiesen sich die Gedanken
und Vorstellungen der zur politischen Inaktivität verurteilten Hauptvertreter
dieser Richtung als sehr wirkungsvoll für die Literatur der späteren
Epochen, für die Klassik ebenso wie für die Romantik, für G. Büchner,
für Naturalismus und Expressionismus bis hin zu B. Brecht.
1.3 Weltbild und Lebensgefühl
Der Widerspruch des Sturm und Drang zum Geist der Aufklärung
wird vor allem darin sichtbar, dass der Wert des Gefühls, des Triebs
und der Spontaneität höher eingeschätzt wurden als Verstand und
Vernunft. Daraus ergab sich eine neue Erfahrung und Wertung der
Natur, die als Urquell alles Lebendigen und Schöpferischen, auch
im Menschen selbst, vergöttert wurde. Die Vollendung des naturhaften
Individuums war für den Sturm und Drang das Genie, der Inbegriff
der schöpferischen Kraft: das Genie bedarf der Regeln nicht, es
trägt alle Regeln in sich und erweist sich als gottähnlich. Als
Prototyp eines dichterischen Originalgenies galt der schwärmerisch
verehrte Shakespeare; aber auch Homer, Pindar, F.G. Klopstock und,
aus den eigenen Reihen, dem jungen Goethe brachte man besondere
Bewunderung entgegen.
Die Hochschätzung der Individualität wirkte sich auch auf
das Geschichtsverständnis aus: man bemühte sich um eine Erfassung
der unverwechselbaren Eigenart der einzelnen Völker, Kulturen und
Sprachen vom Ursprung her und zeigte im Zusammenhang damit besonderes
Interesse für frühe Dichtung und Volksdichtung.
Der philosophische Mentor des Sturm und Drang, Johann Gottfried
Herder, kritisiert weniger die Inhalte der aufklärerischen Philosophie
(Licht, Verstand, Zweifel, Gedankenfreiheit ...), als die "mechanische,
kalte Welt" voller Haß gegen alles "Wunderbare und Verborgene",
in deren "Papierkultur Herz und Kopf" getrennt seien.
Das Herz (Leidenschaften, Phantasie und Imagination) wird als das
dem Menschen bestimmende Element anerkannt. Es geht darum, die Trennung
zwischen den "Intellektuellen" und dem "gemeinen
Volk" aufzulösen; dies impliziert die Forderung, die ständischen
Verhältnisse umzugestalten oder zumindest grundlegend zu reformieren.
Kritik am Bürgertum wurde besonders von dem plebejisch-romantischen
Philosophen Jean-Jacques Rousseau formuliert und von den Autoren
des Sturm und Drang leidenschaftlich geteilt: der gesellschaftliche
Fortschritt, Privateigentum und bürgerliche Wirtschaft verurteilen
die Menschen dazu, sich unweigerlich vom "Naturzustand"
zu entfernen. Herder kritisiert vehement den Außen- und Seehandel
(Sklaverei, Ausbeutung...) und den europäischen Kosmopolitismus,
der die nationalen Identitäten zerstöre. Dem gegenübergestellt werden
die patriarchalische Gemeinschaft der biblichen Zeit und die organische
Gemeinschaft der frühen Kulturen, in der die Menschen noch nicht
durch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit und durch Klassen von
Herrschenden und Beherrschten getrennt wurden. Mehr unter Einzeldarstellungen
2. Wissenschaft
Mehr unter Einzeldarstellungen
3. Kunst
Mehr unter Einzeldarstellungen
4.1 Bevorzugte Formen der Dichtung
Als Wegbereiter des Sturm und Drang haben J.G. Hamann
und besonders J.G. Herder zu gelten.
Herder entwickelte in seinen zahlreichen Schriften viele Ideen,
die wegweisend wurden: So forderte er für die deutsche Literatur
u.a. die Befreiung vom gesetzgebenden Muster und die Betonung ihrer
Eigenständigkeit. Er wies daraufhin daß das Volkslied Naturpoesie,
nicht Letternpoesie sei, sammelte selbst Volkslieder und verehrte
William Shakespeare.
Überhöhung der Persönlichkeit/Geniekult ist ein Teil der Formierung
einer bürgerlichen Opposition gegen die herrschenden Verhältnisse
in Deutschland.
Die Sturm & Drang-Autoren sind großteils mittellose Kleinbürger,
die sich als Hauslehrer, Studenten und kleine Beamte mehr schlecht
als recht durchbringen. Die Distanz zum wohlhabenderen Bürgertum
bewirkt allerdings, daß diese Autoren auch Kritik an den bürgerlichen
Verhältnissen selber üben und damit über ihre Zeit hinausweisen.
Die Dichtung des Sturm und Drang begann unter dem Eindruck der epochemachenden
Werke Goethes, der durch die Begegnung mit Herder 1770 in
Straßburg von dessen Ideen stark beeindruckt war.
Bevorzugte Gattung des Sturm und Drang war das Drama,
in dem sich das leidenschaftliche Engagement der Autoren am besten
entfaltete. Die festen Regeln der klassischen Tragödie wurden ignoriert,
die drei Einheiten wurden durchbrochen zugunsten eines häufigen
Ortswechsels, eines lockeren, oft nur durch den Helden zusammengehaltenen
Handlungsgefüges und eines großzügigen Umgangs mit der Zeit, ein
Verfahren, das von J.M.R. Lenz begründet wurde. Man
schrieb in Prosa und in einer alltagsnahen, affektbetonten Sprache.
Bevorzugte Themen waren
- die Selbstverwirklichung eines genialen Menschen (Faust, Prometheus),
- der Zusammenstoß des einzelnen mit der gesellschaftlichen
Wirklichkeit
- der Konflikt zwischen Moralkodex und Leidenschaft
- der Protest gegen ständische Schranken oder die Korruption
der Herrschenden
4.2 Vertreter / Werke
5. Einzeldarstellungen,
Materialien, Quellen
Zur
Leittabelle Literaturgeschichte,
Zur
Zeittafel Allgemeine Geschichte, Zur
Dichterliste nach Epoche
Fremdlinks
|