Philosophie
des Mittelalters
Zur Periode
Entscheidende Einflüsse gehen
hier vom Christentum aus. Alles ist auf die Begründung des monotheistischen
Gottesgedankens ausgerichtet (Patristik, Kirchenväter). Gnosis
bedeutet:
Im nördlichen Europa wird das Christentum eingeführt.
Es muß gegen die heidnischen Götter der Germanen, Kelten
und anderer Stämme verteidigt werden. Dazu bilden sich klösterliche
Gemeinschaften, in denen Handwerk gedeiht, die besseren Köpfe
der Klöster werden ausgebildet. Bald schon bildet sich eine
zentrale Ausbildungsstätte in Paris aus, zu der die künftigen
Äbte geschickt werden. Paris ist ein Kessel, in dem alle europäisch-katholischen
Ingredienzen zusammengewürfelt sind. Das bringt viel Diskussion
mit sich. Die Lehrer der Hochschule werden berühmt durch ihre
dialektischen Fähigkeiten. Unter den Studenten gedeiht der
Mystizismus (Eckehart) ebenso wie in der Hochscholastik die beginnende
Auseinandersetzung zwischen Staatsmacht, Kirchenmacht und Wissenschaft
sich widerspiegelt (Thomas von Aquin).
Die Spätscholastik beginnt unter dem Eindruck der Unterjochung
des Menschen (Fürst-Bischöfe) eine Auseinandersetzung
mit Themen der Machtausübung, durch geistlich-weltliche Mächte.
Die mittelalterliche Geborgenheit im Schoße einer Kirche und
unter der Obhut eines Fürsten beginnt zu zerbrechen. Gleichzeitig
werden Gedanken aus dem islamischen Raum (Spanien, Averoes u.a.)
aufgenommen. Dadurch werden neue Horizonte sichtbar (Medizin, Mathematik).
Die Logik beginnt über die Gefühlswelt der Religion zu
siegen.
Mit der Übernahme der antiken griechischen Philosophie in
das frühchristliche Denken ergibt sich bei AUGUSTINUS (354-430)
eine platonisch-christliche Verknüpfung: Natur wird verstanden
als von Gott geschriebenes Buch, die Bestimmung der Natur liegt
in ihrer Fähigkeit, anderes (Gott) zu repräsentieren (Ideenlehre
- Wille Gottes - paradiesisches Ideal).
Mit Beginn des Mittelalters finden sich neue Ansätze des Naturverständnisses.
Zugunsten des AUGUSTINISCHEN Verständnisses ist die 'wissenschaftliche'
Erforschung jedoch zunächst verboten.
Dies drückt sich insbesondere im sogenannten NOMINALISMUS-REALISMUS-STREIT
aus. Die Positionen im Streit sind folgende: Für den Realismus
(der zunächst die mächtige Position innehat) besteht eine
Deckungsgleichheit zwischen den Dingen (als erscheinende 'Idee')
und der menschlichen Erkenntnis dieser Dinge, sprich: Ding und Name
sind wesensgleich; Wissenschaft erübrigt sich. Für den
Nominalismus existieren lediglich die Einzeldinge real, die sogenannten
Universalien bestehen nur im menschlichen Geist, d.h. die Begriffe
von den Dingen und Sachverhalten decken sich nicht mit den Dingen
selbst, sind abstrahiert. Es besteht eine gewisse Willkür der
Namen, welche jedoch göttlichen Geistes sind. Die mögliche
Willkür wird als Ergebnis wissenschaftlicher Abstraktionen
aufhebbar. Hierzu gehört auch das auf ABAELARD (1079-1142)
zurückgehende Bspl. des "Namens der Rose": Der 'Name'
der Rose kann zwar von nicht mehr ausgesagt werden, wenn es keine
Rosen mehr gibt, jedoch hat selbst dann noch der Satz 'Es gibt keine
Rosen' eine Bedeutung.
Bei AVICENNA (980-1037), einem aus Persien stammenden Philosophen,
finden sich Gedanken, die die Sichtweise einer 'unterschiedliche
Naturverständnisse ermöglichenden Natur' grundlegen könnten,
die sogenannte Lehre von der dreifachen Betrachtung des Wesens:
Darin heißt es, ein Begriff wie z.B. 'Mensch' könne nur
ausgesagt werden von einer Mehrzahl von Individuen, wenn die dadurch
ausgesagte Natur oder Wesenheit von sich her weder universal (allgemein,
prinzipiell) - sonst könne es keine einzelnen Menschen geben
- noch singulär (erscheinungsmäßig) - sonst gäbe
es nur einen einzelnen Menschen - sei. Natur oder Wesenheit seien
im sinnlich wahrgenommenen Individuum und im universalen Prädikat
die gleiche. Singularität und Universalität (veränderliche
Erscheinung und durchgängiges Gesetz/Prinzip) würden demnach
nicht zur Definition von Natur oder Wesenheit gehören, sondern
zu dieser erst hinzutreten. Entsprechend sei der Verstand zwar die
Ursache der Erkenntnis, nicht aber die Ursache dessen, was Natur
als Natur ist.
THOMAS VON AQUIN (1225-1274) forscht dennoch nach der Ursache von
Natur als göttlichem Naturprinzip, stellt jedoch dabei immerhin
bsplw. die Frage nach der Naturgemäßheit der Mängel
der Natur, als welche insbesondere in Bezug auf den Menschen Krankheit,
Alter und Tod - also leibliche Phänomene - anzusehen seien.
Dies seien zwar Mängel der besonderen Natur - der Leiblichkeit
des konkreten Einzelnen - nicht jedoch der allgemeinen Natur, die
durch Vernunfterkenntnis als hinter aller Erscheinung liegend 'wahrgenommen'
werden kann und das eigentlich Wesentliche (Göttliche) ist.
Dies übersteigend meint DUNS SCOTUS (1265-1308), die gelegentlichen
Mängel des Einzelnen würden das Ganze nur verschönern.
Die universelle Natur intendiere Mängel aufgrund von Zufall
oder durch den Zusammenfluß zu vieler Ursachen.
Ein weiteres - wenn auch gegensätzlich ausgelegtes - Beispiel
für die Unterscheidung zwischen natura universalis und natura
particularis findet sich bei ROGER BACON (1215-1292), der meint,
der Zweck der Natur wie der Schöpfung Gottes sei nicht die
Gattung oder Art, also das Universale, sondern die einzelnen Individuen.
Damit leitet er, ohne AVICENNA zu berücksichtigen, den Vorrang
der Technik, die zweckgerichtet ist, gegenüber der Philosophie,
die ja keinen Fortschritt kenne, machtvoll ein.
Mit der Zeit des Mittelalters etabliert sich die lateinische gegenüber
der griechischen Sprache. Dies ist in soweit bedeutungsvoll, als
der griechische Begriff der physis andere Bedeutung darstellt als
der Begriff natura. Mit dem lateinischen Begriff natura ist zentral
der statische Gedanke verbunden (wie bsplw. in der Vorstellung von
'Naturgesetzen' oder der Natur als dem 'Angeborenen'), vor allem
aber die Zukunftsperspektive der Lenkbarkeit und Machbarkeit von
Natur.
Wurde der Mensch zunächst als immanenter Teil der vollkommen
geschaffenen Natur betrachtet, so entwickelt sich nun zunehmend
der Gedanke der Autonomie der Wesen innerhalb der vom Schöpfer
gewollten Ordnung, d.h. für den Menschen, er sei nicht allein
mittels seiner Vernunft befähigt, die Gesetze und Prinzipien
des Göttlichen nachzuvollziehen, sondern er sei beauftragt,
die von Gott unvollständig geschaffene Natur zu vervollkommnen.
Der Arzt/Astrologe (der Unterschied Astrologie-Astronomie entsteht
erst nach KOPERNIKUS) und der Magier sind die Berufenen, die Natur
zu veranlassen, verstärkte und neue Wirkungen hervorzubringen.
Es regiert der Impuls der Praktiker, die Natur ein zweites Mal zu
erschaffen, allerdings auch hier wieder mittels des Herausstehens
des Menschen aus der Natur aufgrund seiner Vernunftfähigkeit.
Der Gedanke der Naturbeherrschung entsteht mit der Entwicklung erster
Maschinen im eigentlichen heutigen Sinn. Auch in der Kunst entsteht
ein neues Verständnis: Wurde die Kunst, insbesondere die Malerei,
zunächst als Wiederspiegelung der Natur verstanden, so wird
sie bei LEONARDO DA VINCI (1452-1519) auch zur Betrügerin der
Natur.
KOPERNIKUS (1473-1543) denkt die Natur in der Weise einer innerweltlichen
mathematischen, nur durch Vernunft erkennbaren Ordnung. Die Mathematik
(die Logik als System menschlicher Vernunft) wirft die Heimat des
Menschen aus ihrer zentralen Rolle: Die Erde dreht sich um die Sonne.
GIORDANO BRUNO (1548-1600) gelingt es nurmehr, die entstandene
Mächtigkeit des Menschen durch 'Romantisieren' zu relativieren,
der Natur einen besonderen Eigencharakter zu verleihen, jedoch ist
für den Schöpfergott im christlichen Sinne kein Platz
mehr, hier wirkt die Weltseele, der innere Künstler. BRUNO
postuliert die Unendlichkeit und in diesem Sinne auch Un-Ursprünglichkeit
des Alls, das ebenso eine Monade (letzte Einheit) ist, wie der Mensch
selbst, der leidenschaftlich (nicht mit 'Herrschaftsanspruch') nach
der Erweiterung seines Bewußtseins strebt.
Mit all diesem Denken gewinnt die Welt an Perspektive, aber verliert
ihre Grenzen (ein nur auf der Grundlage einer bedeutsamen Sinnlichkeit
beängstigender Umstand). NIKOLAUS VON KUES (1401-1464) stellte
- wie schon erwähnt - fest, daß die Welt ohne ein Verständnis
vom Erzeuger des Erzeugten in eine Ungewißheit der Grenzen
des Kosmos, eine Unbestimmbarkeit der Lebenswelt stürzen würde,
der Mittelpunkt fehlen würde.
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Die Philosophie Lehre des Mittelalters wird Scholastik genannt
und beginnt bereits in der Zeit der Kirchenväter (Patristik). Die
Phänomenologie der Religionen zeigt, daß neben dem Christentum
im Laufe der Scholastik auch jüdische, ägyptische, babylonische
und persische Einflüsse wirksam wurden. Nach dem Tode Jesu traten
die Apostel auf und verbreiteten die Lehre ihres Meisters (Gehet
hinaus in alle Welt und lehret und taufet alle Völker. Mattheus
26). Damit begann die Auseinandersetzung mit den heidnischen Philosophien,
auf die das Christentum traf. Paulus, der die Verbreitung im nichtjüdischen
Raum vorantrieb und in der Forschung zu recht als eigentlicher
Gründer des Christentums gilt, prägte dies mehr als die Ethik Jesu
dies tun konnte. Das Christentum wurde ab dem Konzil von Nicäa,
Konstantin d. Gr., 323 - 337, für das römische Weltreich Staatsreligion.
Zwar traten noch immer einzelne römische Kaiser für die alte Religion
und gegen das Christentum ein aber die Einflüsse der neuen Lehre
waren nicht zurückzudrängen. Fortan wurde diese Staatsreligion
ein Gemisch aus verschiedenen Glaubensregeln der im Römischen Imperium
integrierten Länder, unterworfen. Griechisches Denken, römische
Staatsphilosophie, christliche Ethik haben neben den Bräuchen und
Riten der Barbaren Einfluß genommen. Im späten Mittelalter wurde
die Scholastik durch Berührung mit islamisch-arabischer und jüdischer
Kultur, vorwiegend via Spanien, Universität Toledo, beeinflußt.
In der Scholastik werden mehrere Perioden unterschieden:
1. Patristik (bis ~ 800)
An dem bereits genannten Konzil von Nicäa wurden die Dogmen
der Kirche (u.a. das Glaubensbekenntnis im wesentlichen formuliert.
Danach schloß sich eine Periode der philosopischen Verarbeitung
der Dogmen (Augustinus) an.
2.
Frühscholastik (800 - 1200)
In dieser Zeit erfolgte die Ausbildung der scholastischen Denkweisen
und Denkmethoden. Es entstand ein Geisteskamp um die Allgemeinbegriffe
(Universalienstreit).
3. Hochscholastik (1300 - 1400)
Hier wurde das aristotelische Gedankengut in die Scholastik integriert.
Außerdem fanden Befruchtungen durch die arabische und jüdische
Philosophie statt.
4. Spätscholastik (1400 - 1500)
Dort wird die christliche Philosophie ausgestaltet (Thomas von Aquin,
Albertus Magnus). Es wird auch das erste Gedankengut des Nominalismus
aufgenommen. Am Ende der spätscholastischen Periode steht als besonderer
Religionsphilosoph der Mystiker Meister Eckehart und seine Schüler
(Tauler und xxxx)
Weltbild und Lebensgefühl:
Einzeldarstellungen
Wissenschaft: Einzeldarstellungen
Kunst: Einzeldarstellungen
Vertreter / Werke
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Philosophie des Mittelalters / Aufstieg Christentum - Patristik
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| Die Gnostiker:
Die Manichäer, Arius, Atanasius |
| Kirchenväter:
Augustinus, Origines |
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| Philosophie des Mittelalters
/ Scholastik |
| Frühscholastik:
Eriugena, Anselm von Canterberry, Wilhelm von Chambeaux, Roscellinus,
Abelard
|
| Arabische und jüdische Philosophie:
|
Hochscholastik:
Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Dante, |
| Spätscholastik:
Roger Bacon, Duns Scotus, Willem von Occam |
| Deutsche Mystik:
Meister Eckhart |
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Einzeldarstellungen, Materialien, Quellen
Leittabelle Philosophiegeschichte, Zeittafel
Geschichte Mittelalter, Zeittafel
Frühes Christentum,
Philosophenliste
nach Epoche
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