|
|
|
Liberte, Egalite, Fraternite
Der Kampf des Bürgertums um die Macht
Die Gegensätze
Adel
Im Geburts- bzw. Blutadel spielt der Familienname eine
grosse Rolle. Standesprivilegien werden mit ihm vererbt. Der Adlige ist
Träger einer privilegierten, sozial festgelegten Rolle. (heute noch z.B.
im britischen Königshaus zu beobachten)
Die ökonomische Grundlage des Adels ist der Landbesitz, entstanden
durch Übernahme der Ländereien verarmter Bauern, durch Kriege, durch Heirat,
durch Vererbung.
Für Adlige gilt ein Arbeitsverbot; Arbeit ist nicht standesgemäss.
Der entstandenen Überfluss wird konsumiert durch Luxus oder abgeschöpft
und zur Schatzbildung verwendet (Thessaurierung).
Im Adel spiegelt sich die Ordnungslehre des Mittelalters: Die hierarchische
Ordnung der Welt spiegelt jene des Himmels. Dies hat er mit der Kirche
gemeinsam und zur Aufrechterhaltung solcher Ordnungen stützen sich
Thron und Altar gegenseitig, sobald äussere Gegner auftreten. Im Absolutismus
ist der Herrscher “von Gottes Gnaden”.
Die Privilegien des Adels im Absolutismus bestehen in Steuerbefreiung,
Ämtern (Offiziersstellen, kirchl. Würdenträger, Dilettantenverwaltung),
höfischem Leben (Etikette "unnatürlichem" Verhalten; Unterwerfung
der Natur: französischer Garten) sowie "Unmoral" aus Langeweile.
Es sind dies Privilegien durch von Vermögen und Geburt.
Bürgertum
Im Bürgertum hängt die gesellschaftliche Rolle ab von der erarbeiteten
Position. Das bedingt Entwicklung der Persönlichkeit, des Individuums
und die Erziehung hat einen anderen Stellenwert.
Der Bürger hat sein ökonomische Grundlage in Industrie, Gewerbe, Dienstleistung.
Seine Ausbildung muss praktischen Zielen folgen: Technologie, Naturbeherrschung.
Arbeit und Leistung gilt als größter Wert. Zur Thessaurierung müssen anfallende
Profite in den Betrieb reinvestiert werden. Verschwendung bedeutet Verarmung.
Der Bürger geniesst nur Privilegien durch Arbeit. Satt Unterwerfung
der Natur gilt "Natürlichkeit" als Vorbild (Ideal des englischen
Gartens).
Spannungen
Geht man von einem rationalistischen Naturrecht aus,
so gelten für alle Menschen gleich angeborene Menschenrechte, mit der
Folge der entsprechenden Mehrheitsbildung in den politischen Systemen.
Das Volk wird zum Souverän.
Der Kampf gegen adelige Privilegien entzündet sich an praktischen Dingen
wie der Steuerlast, dem Anspruch auf Mitsprache im Staat (konstitutionelle
Monarchie bzw. Republik), einer neuen, bürgerlichen Moral der Schamhaftigkeit,
Zeitausnutzung, des Fleisses. “ Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
was fleissige Hände erwarben” fasst der Vormärz - Dichter Heine später
zusammen.
Die ökonomische Entwicklung des Bürgers bedingte seine Forderung nach
politischer Freiheit (Liberte) Antiabsolutismus - konstitutionelle
Monarchie bzw. Republik als polit. Ideal
sozialer Gleichheit (Egalite) durch Standesentwertung des Adels
(Infragestellung seiner gesellschaftlichen Rolle) und durch Standeserhöhung
der Bürger.
Menschlichkeit (Fraternite) durch Kultivierung der Subjektivität,
und Anerkennung des Wertes des Ich,
Kultivierung des Allgemeinmenschlichen (Humanität, Menschenrechte)
sowie Steigerung des Menschlichen zur Herstellung einer neuen sozialen
Ungleichheit, aber mit bürgerlicher Überlegenheit durch
Verstand, Aufklärung, Moral, Gefühl (Empfindsamkeit; Natürlichkeit).
Da dies einem Verlust absolutistischer Macht gleichgekommen wäre und deshalb
von den regierenden Kasten abgelehnt wurde, erstritt das Bürgertum seine
Rechte auf revolutionärem Wege (Französische Revolution).
|