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Arten und Unarten der Geschichtsschreibung
Bei genauerer Betrachtung der Geschichtsschreibung zeigt sich, dass nur wenige Zeitzeugnisse (Schriften, Architektur, Gemälde, Musik, archäologische Befunde) zur Beurteilung einer Epoche übrigbleiben. Diese zeigen Einblicke in die Epoche, jedoch muss man sich der Grenzen bewusst bleiben.

1. Faktenauswahl durch die Zeit: Wessen Leben wird dargestellt?
Ü brig geblieben sind im Lauf der Geschichte Dinge, die von den Menschen als künstlerisch wertvoll empfunden und bewahrt wurden oder die sich durch besondere Stabilität auszeichnen. Betrachtet man Gemälde aus verschiedenen Epochen, so stellt man auch fest, dass überwiegend Adel und Begüterte Gegenstand der Kunst waren. Arme Leute konnten kein Geld für namhafte Künstler aufbringen; Darstellungen ihres Lebens sind in der Minderzahl. Daher ist kein repräsentativer Einblick in das Leben der Mehrzahl der Menschen einer Epoche zu erhalten.
Je größer die sozialen Spannungen einer Epoche waren (Armut vs. Reichtum, Bildung vs. Ungebildetsein), um so "schräger" wird naturgemäss das Bild. Während Dome und Schlösser von berückender Schönheit und großer Haltbarkeit gebaut wurden, rotten und stinken auf unentwässerten Gassen der mittelalterlichen Städte Müll, Unrat und Exkremente. Das heitere Sittengemälde in Bocaccios Decameron täuscht über die Realität der Pest in Florenz mit Leichen, Elend, Schmerzen und Verarmung hinweg. Mir liegt ein kostbares Stundenbuch der Maria von Burgund vor, das im 10. Jh. entstanden ist. Solche Breviere wurden von Mönchen für Adlige geschrieben, nicht jedoch für Bauern, Bürger oder Leibeigene. Man wird derartige Schriften nicht als epochentypisch bezeichnen können. Sie geben aber wohl Einblicke in das Leben der dünnen Adelsschicht.

Zu weiteren Verzerrungen führen die festgefügten Ständeordnungen in den jeweiligen Perioden. Ein Übergang vom Bauern zum Adligen ist praktisch unmöglich. Damit fallen auch persönliche Retrospektiven Betroffener für den Erkenntnisgewinn weg. Wir müssen uns daher ein Gefühl für die Epoche unter Anwendung lückenhafter Anhalte erschließen.

2. Analysemethoden und Wissenstand
Analysemethoden sind vom Stand der Wissenschaft und Technik sehr abhängig und führen daher ebenfalls zu Ergebnissen, die als durchaus verbesserungsfähig und -würdig erscheinen. Als Beispiel dafür sei die Altersbestimmung der älteren Geschichte mittels der Radiocarbonmethode (C14-Analyse) oder Schliemanns angebliche Entdeckung Trojas genannt. Das aus der griechischen Geschichte bekannte Troja hat Schliemann wegen seiner begrenzten Möglichkeiten zur Grabung niemals gesehen.

Auch Methoden, die sich in jüngster Zeit entwickelt haben und die zur Analyse z.B. von Farben, Schichtungen o.ä. dienen, sind noch immer nicht völlig ausgereift. Immerhin zeigen sie, dass das Gemälde “Mann mit Goldhelm” nicht von Rembrandt stammt und die Haare Napoleons Ablagerungsspuren von Arsen aufweisen, wodurch eine schleichende Vergiftung durch die englischen "Gefängnisaufseher" nachgewiesen scheint. Einige Werke der Weltkunst, denen ein hohes Alter nachgesagt wurde, sind durch Methoden der Gammaspektroskopie und der einfachen Durchleuchtung mit energiereichen Strahlen (Röntgen) als Fälschungen enttarnt oder in der Datierung erheblich geändert worden.

Fälschende Verzerrungen entstehen aber nicht nur durch den Stand der Technik. Auch Theater und Literatur haben ungewollt dazu beigetragen. In Verona wird Haus und Balkon der Capulets gezeigt, auf denen Romeo und Julia agiert haben sollen. Touristenströme bewegen sich alljährlich dorthin, ohne sich Rechenschaft zu geben, daß Romeo und Julia nur Phantasiegestalten des Engländers Shakespeare waren. Übrigens ist noch nicht einmal sicher, daß ein Komödienschreiber namens Shakespeare existierte. Vielleicht sind die berühmten Bühnenstücke das Werk meherer Autoren? Vieles deutet darauf hin, auch wenn Shakespeares Geburtshaus gezeigt wird, seine angebliche Unterschrift vorliegt und sein angebliches Portrait bekannt ist. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Wilhelm Tell, der als Schweizer Nationalheld gilt und dessen Bildnis vielfach in Bronze gegossen wurde. Er ist lediglich eine Phantasiefigur des deutschen Dichters Friedrich Schiller! Die genannten Gestalten haben eine im Bewusstsein der Menschen eine eigene Dynamik angenommen - weitab von jeder Realität.3. Eigene Betrachtungsweise und “Zeitgeist”

Wir sehen, was wir sehen wollen! Bei der Betrachtung geschichtlicher Sachverhalte spielen persönliche Erfahrungen, der eigene Erfahrungshorizont, eine Rolle. In der Geschichtsschreibung werden Details (der Teufel steckt im Detail) aufgrund der persönlichen Brille, aus Unverständnis für deren Wichtigkeit oder aus Gründen der geraffteren Darstellung weggelassen.

Ebenso spielt der vielzitierte Zeitgeist bei der Wertung der Geschichte eine große Rolle. So ist zuweilen die Ästhetik des Berichts vorgezogen worden, zuweilen die Moral und zuweilen hat man nach einer bestimmten inneren Logik gesucht, auch wenn sie nicht oder nicht so vorhanden war (teleologischer Aspekt). Unter dem Begriff "Zeitgeist" sind auch die stark schwankenden Moraleinstellungen der Leser zu sehen. Sie unterliegen der Beeinflussung durch religöse, ethische und politische Kräfte der Periode. Fragen sie mal ehrlich reflektierende Bürger der ehemaligen DDR, wie sehr sich ihr Weltbild seit der Wende infolge des geänderten politischen Systems geändert hat!! Orwell schreibt zu Recht in seinem "1984": "Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit".
Der Zeitgeist bestimmt auch die Darstellung dessen, was "in" ist. So wurde bei der Verherrlichung der Kultur Spartas im Dritten Reich natürlich nie erwähnt, das die vielgerühmten kriegstüchtigen Spartaner überwiegend Männer waren, die durch Kasernierung im jugendlichen Alter homophile Neigungen entwickelten und auslebten. Aus diesem Grunde entstanden z.B. die herrlichen Plastiken von diskuswerfenden Jünglingen.
Einen Beitrag zur Verwirrung bei der geschichtlichen Wertung leisten auch unpräzise Soft-Formulierungen. Krieg bleibt Krieg und Hunger bleibt Hunger! Auch wenn in der sanften Mentalität von Irrenärzten dem “mündigen” Bürger erklärt wird, es handle sich um lediglich um bewaffneten Konflikt oder eine mangelhafte Versorgungslage!

Sprachregler aller Länder: Setzt euch mal für eine neue Wahrhaftigkeit ein! Sie wäre vielleicht ebenso wichtig als die erhebende Mitteilung, dass Philosoph künftig mit “F” geschrieben werden darf!

Beobachten sie die Entwicklung ihrer eigenen Meinung zu den Themen BSE und Aids. Obwohl in Deutschland wie in England der Rinderwahnsinn (BSE-Erkrankung) lange vor den hektischen Reaktionen der Öffentlichkeit bekannt war und existierte, wurde diese Erkrankung nicht zur Kenntnis genommen. Obwohl auch heute die Mechanismen und Bedingungen für die Entstehung menschlicher Krankheiten nach Genuss des Fleisches erkrankter Rinder noch nicht genügend aufgeklärt sind, glaubt jeder Bundesbürger ein genaues Bild der Folgen zu haben!

Nach einer intensiven, gefühlsbeladenen und teilweise hysterischen Aids - Diskusssion in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, ist heute Aids fast kein Thema mehr. Die Erkrankung wird aus verständlichen Gründen verdrängt. Und dies obwohl infolge der Veränderung des Virus die Gefahr grösser wurde und die Anzahl der Erkrankten weiterhin im Steigen begriffen ist.

Der Moment des Genusses siegt bei Aids und BSE über die Vernunft! Wenn solche Dinge während unserer kurzen Lebenszeit ablaufen, wie mögen ähnliche Menchanismen die Geschichtsschreibung langer Zeiträume gefälscht haben!

4. Interessenlagen: Sieger und Besiegte
Immer hat die Aussage "Ich gut, du -Gegner- böse" bei Beschriebenen und Beschreibern eine große Rolle gespielt. So ist es durchaus verständlich, daß sich die “Geschichte des Abfalls der Niederlande von der spanischen Krone” sehr unterschiedlich anhört, je nachdem ob sie in niederländischen Geschichtsbüchern behandelt oder von Schiller beschrieben wird und auch die Berichte Herzog Albas sind äußerst verschieden von der Meinung des damaligen spanischen Königs über diese Vorgänge.

Unter dem Aspekt der Interessenlage sollte man sich auch einmal überlegen, was vom Vietnam-Krieg, der die ganze Welt empört hat, in Zukunft übrig bleiben wird. Es darf vermutet werden, daß der stabil gebaute Heldenfriedhof in Arlington mit seinen Denkmälern und die Geschichten über heldenhafte Vergangenheitsbewältigung durch die Veteranen mehr Spuren hinterläßt als die Leiden unzähliger gefolterter, verbrannter, misshandelter und erschossener Opfer.

Man darf gespannt sein, woher künftige Geschichtsschreibung ihre Fakten nehmen wird. Die Beispiele des amerikanisch-irakischen und des amerikanisch- afghanischen Konflikts lehren, daß sich die Journalisten nicht am Ort der Handlung ein Bild von den kriegerischen Abläufen machen konnten. Vielmehr erreichten sorgfältig gefilterte und für die Öffentlichkeit aufbereitete Nachrichten den Endverbraucher des Fernsehens, des Radios und schrifticher Publikationen. Dies kann man als zulässig ansehen, wenn man sich andererseits der Einseitigkeit einer solchen, durch den militärischen Apparat gefilterten Berichtserstattung bewußt bleibt. Wie aus der Presse zu entnehmen, haben denn auch hohe amerikanische Instituionen vorsorglich streuen lassen, in Fall des Irak-Krieges hätten die Generäle von ihren Befugnissen exzessiven Gebrauch gemacht. Selbst der amerikanische Präsident habe nicht alle wichtigen Informationen über Art, Ziel und Ausmaß der Operationen und des Konflikts erhalten.

Zur Frage der Geschichtsklitterung in Folge einer vorliegenden Interessenlage gehört auch die Methode der Unterlegenen, die Geschichte zu relativieren. Sofort nach Sieg oder Niederlage werden Landgewinne und Opfer zusammengezählt und das nachträgliche Einschieben von Fakten, die Fälschung also, beginnt. Schlachtberichte der Perser, Hethiter oder Ägypter enden immer mit deren Sieg. Ebenso enden die Berichte ihrer Gegner mit dem Sieg. Es läßt sich nur noch in groben Zügen schlussfolgernd erhellen, wessen Macht im Laufe der Auseinandersetzungen gewachsen ist. Der erbärmliche Rückzug der deutschen Truppen aus Russland im 2. Weltkrieg, wurde sofort nach Einleitung zur strategisch notwendigen Frontbegradigung umfunktioniert. Der Rest der Welt lachte über den “ritrato strategico”.

Werden in der Geschichte Niederlagen geschildert, so werden diese also in der Regel noch als Gewinn dargestellt. Dies hat mehrere Gründe:

a) Es hält die weiterkämpfende Truppe zusammen
b) Es stärkt die Moral der leidenden Zivilbevölkerung (Endsieggedanke)
c) Es fördert das Entstehen von Helden-Epen

Wer empfindet nicht die Gefangenschaft des Volkes Israel in Ägypten und/oder Babylon bedrückend? “An den Wassern Babylons saßen sie, hingen ihre Harfen in die Weiden und weinten, wenn sie an Zion gedachten” berichtet gefühlvoll der Psalmdichter. Dies war also die Lage eines Nomadenvolkes, das in einem Wüstenlandstrich ohne nennenswerte technischen Kenntnis auf geringem kulturellen Niveau lebte und sich ohne Lese-und Schreibfähigkeit kärglich auf agrarischer Basis ernährte. Dieses Volk kam mit einer Kulturmacht in Berührung, in der Gesetze geschaffen und schriftlich niedergelegt waren (Hammurabbi, Keilschrift-Tafeln), in der die Technik einen hohen Stellenwert hatte, das in einem blühenden, fruchtbaren Landstrich lebte und durchaus als kultureller Mittelpunkt seiner Zeit gesehen werden konnte. Daß das israelitische Nomadenvolk in Babylon schreiben, rechnen und bauen lernte, daß es landwirtschaftliche Fähigkeiten erwarb, daß eine denkerische und religiöse Befruchtung stattfand, wird auch heute noch in konservativ-religiösen Kreisen verdrängt. Man stelle sich vor die Israeliten hätten bis heute nur von ihrem Gott, nicht von den “fremden und heidnischen” Völkern gelernt!! Jedoch muss der Gewinn an Mitleid der Größe der Niederlage zum Ausgleich entsprechen. Sartre sagt dazu: "Die Hölle? Das sind die Anderen!"

Macht schafft Recht, wie die Geschichte zeigt. Dies lehrt nicht nur Machiavelli sondern auch die überschaubare Geschichte zeigt, daß das Recht der Sieger nahezu immer auf die Besiegten angewendet wurde. Der Macht ist dann nichts entgegenzusetzen als das von der Ohnmacht erregte Mitleid. “Ein guter Bettler ist nicht arm” sagt der Volksmund.

Es wird deutlich wie Geschichtsschreibung als politische Waffe missbraucht wird. Ähnlich einem Gerichtsverfahren werden Schuldzuweisungen gemacht und Urteilssprüche gefällt - oder einfach provoziert.
Es fiindet eine ungeheuerliche Verteufelung/Glorifizierung durch die Geschichtsschreibung statt! Rom und seine Heldensagen, das goldene Zeitalter der griechischen Philosophie und ähnliches können ja als leuchtende Beispiele dafür dienen: Früher war alles besser!

6. Periodisierung und Typisierung
Es gibt weder die “typischen” Eigenschaften geschichtlicher Perioden ( Barock, Renaissance) noch den “typischen” Deutschen/Franzosen/Chinesen! Man lernt das spätestens, wenn man Zuordnungen zu treffen hat. Ein Dichter lebt z.B im Barock aber seine Werke sind aufklärerisch. Oder sie riechen schon nach Vormärz!

Die Germanen als Stamm? Na, es gab da einige Stämme und ich versuche mit oberlehrerhafter Penetranz diese den Germanen ab oder zuzurechnen, es gelingt mir nicht!

Und fragen Sie sich, in welche Epochen Sie Ihr Leben aufteilen würden und welcher vorhergehenden oder folgenden Epoche sie die Übergangszeiten zuordnen könnten. Dann können Sie die Schwierigkeiten der Epochenbenennung sehr schnelll nachempfinden. Dennoch haben tausende solcher Typisierungen in der Geschichtsschreibung stattgefunden und wer das Grundproblem nicht kennt und sie einfach übernimmt, beurteilt falsch. Nicht alle Deutschen sind im Weltkrieg II. auf Seiten der Nazis gestanden.

Ähnliche Typisierungen gelten für den Bereich der Sprache: Heute wird die bisherige Theorie von der "gemeinsamen indogermanischen Ursprache" einigermassen bezweifelt.


5. Arten der Geschichtsschreibung
Geschichtsschreibung kann wie folgt klassifiziert (Vorsicht, eine Typisierung!) werden:

a) Referierende Geschichtsschreibung (kritisch-einschätzend)
Beispiel dafür sind die anschaulichen Berichte der Antike (Herodot, Tacitus u.a.) und der historische Roman der Gegenwart. Sie befriedigen das ästhetische Gefühl und Stilempfinden und ersparen die nahezu unerträgliche reine Reflexion von Daten und Fakten. Aneinander gereihte Jahreszahlen von Kriegen, Krönungen und Krisen dienen nicht dem bessseren Verständnis und schaffen keinen ordnenden Überblick über die Epoche. Schon garnicht lassen sie eine Einordnung in die Kategorien "gut" und "böse" zu.
In mancher Bewerbung steht: “Ich wurde am 15.Januar 1980 als zweites Kind des Karl Mustermann, Disponent und seiner Ehefrau Gisela geb. Gegenteiler, Hausfrau geboren.” Lauter bedeutungslose Fakten, zumindest hinsichtlich des zu erwartenden Arbeitsleistung! Ebenso scheint die Geschichtschreibung die nur Fakten zeigt, etwas bedeutungsloser zu sein.
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b) Pragmatische, lehrhafte Geschichtsschreibung
" Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist gezwungen sie zu wiederholen". In dieser Art der Geschichtsschreibung spielen Sinn und Zweck der Geschichte, ihre Moral und Ethik eine Hauptrolle. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts. Eine Nutzanwendung zu ziehen ist in Ordnung, nur noch Nutzanwendungen zu ziehen heisst die Geschichtsschreibung zu verderben durch Behandlung mit Moralinsäure! Überdies schliesst eine grosse Fülle gezogener Nutzanwendungen nicht die Anwendung der "persönlich gefärbten Brille" aus, sonder ist ihr eher förderlich.

Ein Beispiel der moralischen Geschichtsbetrachtung wird Gorbatschow zugeschrieben, mit dem angeblichen Zitat: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Tatsächlich war Gorbatschows übersetzte Aussage "Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." wesentlich diplomatischer und eher die Feststellung, dass die in Auflösung begriffene Sowjetunion ähnliche Probleme hat, wie sie in der DDR der letzten Tage offen zu Tage traten. (siehe dazu FAZ)

c) Genetisch entwickelnde Geschichtsschreibung
Sie verknüpft logisch die Einzelereignisse zu einem roten Faden und ist besonders in unserem logisierenden Jahrhundert in Mode gekommen. Auch hiergegen läßt sich einwenden, daß nicht immer Ursache und Wirkung in eindeutig definiertem Zusammenhang stehen.

Auf meinem Schulweg hing ein Kaugummi-Automat, der mich zu der Meinung verleitete, er sei dazu da, mich mit Kaugummis zu versorgen. Die Wirklichkeit sah jedoch anders aus: Der Automatenaufsteller wollte am Taschengeld der Schüler partizipieren. So kann man sich im Kausalnexus täuschen!!
Auf dem Gebiet des Hinterfragens nichtlinearer Zusammenhänge und Regelkreise haben wir noch ein gewaltiges Lernpensum vor uns. Die auftretenden Paradoxa können uns dabei Wegmarken und Helfer sein.

Geschichtsschreibung ist aus allen diesen Gründen nicht als Wissenschaft im naturwissenschaftlichen Sinne sondern eher als eine Kunst anzusehen.

Wer Geschichte unter diesen Gedanken reflektierend aufnimmt, hat den Hauch einer Chance, einen Teil der logischen Abfolgen, einen Teil der Moral, einen Teil der Sitten und Gebräuche, einen Teil der Machtverhältnisse und einen Teil der Lebensäußerungen auf künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet zu verstehen.